Philips Hue nutzt die IFA 2026 für einen der größeren Ausbauschritte seines Smart-Lighting-Systems. Signify zeigt neue KI-Funktionen für die Hue Bridge Pro, eine Backup-Funktion für Einstellungen, eine tiefere Sonos-Integration, neue Möglichkeiten zur TV-Synchronisation und erstmals eine direkte Einbindung kompatibler Nanoleaf Shapes. Dazu kommen neue Leuchten und Lightstrips für Wohnräume und den Außenbereich.
Der rote Faden dabei ist klar: Hue soll weniger aus einzelnen Lampen und Schaltern bestehen und stärker als Plattform funktionieren. Besonders interessant sind deshalb nicht nur die neuen Leuchten, sondern Funktionen wie Custom AI Behaviours und Screen Sync.
Custom AI Behaviours machen Hue-Automationen flexibler
Eine der wichtigsten Software-Neuheiten heißt Custom AI Behaviours.
Die Funktion richtet sich an Nutzer der Hue Bridge Pro und soll es ermöglichen, komplexere Automationen per Sprache oder Chat zu erstellen. Statt einzelne Bedingungen und Aktionen manuell in der Hue-App zusammenzuklicken, beschreibt der Nutzer einfach, was passieren soll.
Der Hue-KI-Assistent übersetzt diesen Wunsch anschließend in eine entsprechende Automation. Dabei kann das System Auslöser, Bedingungen und Beleuchtungsaktionen miteinander kombinieren.
Ein Beispiel wäre:
Die Haustür wird geöffnet, die Sonne ist bereits untergegangen und im Flur soll warmweißes Licht eingeschaltet werden.
Solche Kombinationen sind zwar grundsätzlich auch mit anderen Smart-Home-Systemen möglich, benötigen dort aber häufig mehrere Regeln oder zusätzliche Plattformen.
Hue versucht, diesen Prozess über natürliche Sprache zugänglicher zu machen.
Licht am Wochenende anders steuern als unter der Woche
Custom AI Behaviours sollen auch komplexere Alltagssituationen abbilden.
Philips Hue nennt unter anderem unterschiedliche Schalterfunktionen am Wochenende, automatische Szenen nach Sonnenuntergang oder persönliche Morgenroutinen.
Auch Entertainment-Szenarien lassen sich einbeziehen. So kann das System beispielsweise abhängig davon reagieren, ob gerade eine TV-Synchronisation aktiv ist.
Der Vorteil liegt weniger in der künstlichen Intelligenz selbst als darin, dass Nutzer nicht mehr jede Regel einzeln verstehen und konfigurieren müssen.
Wie zuverlässig der Assistent mehrdeutige Sprachbefehle interpretiert, wird sich allerdings erst im Alltag zeigen.
Die neuen Custom AI Behaviours sollen Anfang Oktober 2026 als Software-Update für die Hue Bridge Pro erscheinen.
Backup & Restore sichert Szenen und Automationen
Eine zweite Software-Neuheit dürfte besonders langjährige Hue-Nutzer interessieren.
Mit Backup & Restore sollen persönliche Einstellungen künftig in der Hue-Cloud gesichert werden können. Dazu gehören unter anderem Lichtszenen und Automatisierungen.
Das Backup funktioniert mit Hue Bridge und Hue Bridge Pro. Die Wiederherstellung einer gespeicherten Konfiguration soll zunächst allerdings ausschließlich mit der Hue Bridge Pro möglich sein.
Gerade bei größeren Hue-Installationen ist das sinnvoll.
Wer Dutzende Leuchten, Räume, Szenen, Sensoren und Schalter eingerichtet hat, möchte diese Konfiguration nach einem Hardwarewechsel nicht von Grund auf neu erstellen.
Einen konkreten Erscheinungstermin nennt Philips Hue noch nicht. Die Funktion befindet sich derzeit in Entwicklung.
Hue-Schalter steuern künftig Sonos
Auch die Zusammenarbeit mit Sonos wird erweitert.
Künftig können Philips-Hue-Schalter wie der Tap Dial Switch direkt für die Steuerung von Sonos-Systemen genutzt werden.
Mögliche Aktionen sind:
- Wiedergabe starten und pausieren
- Lautstärke über das Drehrad steuern
- zum nächsten Titel wechseln
Damit wird aus einem klassischen Lichtschalter teilweise eine universelle Smart-Home-Fernbedienung.
Gerade der Tap Dial Switch eignet sich dafür, weil er mehrere Tasten mit einem Drehrad kombiniert.
Die erweiterte Sonos-Integration soll Ende 2026 per Software-Update erscheinen.
Nanoleaf Shapes werden Teil von Philips Hue
Eine der überraschenderen Ankündigungen betrifft Nanoleaf.
Kompatible Nanoleaf Shapes lassen sich künftig in das Hue-System integrieren. Unterstützt werden zunächst:
- Hexagon
- Triangle
- Mini Triangle
Dafür ist ein separat erhältliches Hue Wandleuchtenmodul erforderlich.
Die Nanoleaf-Panels können anschließend in Hue-Szenen, Automationen und Entertainment-Setups eingebunden werden.
Das ist ein interessanter Schritt, weil Hue sein System damit stärker für Hardware eines anderen bekannten Beleuchtungsherstellers öffnet.
Bislang waren Hue Entertainment und viele Szenen stark auf Produkte aus dem eigenen Portfolio ausgerichtet.
Das Wandleuchtenmodul kostet ab 39,99 Euro. Passende Nanoleaf-Shape-Sets sollen in ausgewählten Märkten ab 199,99 Euro über den Hue-Onlineshop angeboten werden.
Philips Hue Play Screen Sync kommt ohne HDMI-Signal aus
Im Entertainment-Bereich führt Philips Hue mit Play Screen Sync eine dritte Möglichkeit zur TV-Synchronisation ein.
Bisher konnten Nutzer dafür die Hue TV Sync App oder eine Hue Play HDMI Sync Box verwenden.
Screen Sync arbeitet anders.
Eine Kamera mit Fisheye-Linse wird oberhalb des Fernsehers montiert. Sie erfasst das angezeigte Bild und passt die angeschlossene Beleuchtung in Echtzeit an die dargestellten Farben an.
Der große Vorteil liegt darin, dass das System direkt den Bildschirm betrachtet.
Dadurch funktioniert die Synchronisation unabhängig davon, woher das Bild kommt. Es spielt keine Rolle, ob Inhalte über:
- lineares Fernsehen
- eine interne Streaming-App
- einen HDMI-Player
- eine Spielkonsole
wiedergegeben werden.
Bei einer klassischen HDMI-Sync-Box müssen Bildsignale dagegen erst durch die Box geführt werden.
Screen Sync startet ab 119,99 Euro
Philips Hue Play Screen Sync ist seit dem 3. September 2026 erhältlich.
Der Preis beginnt bei 119,99 Euro.
Sets zusammen mit passenden TV-Lightstrips sollen später in ausgewählten Märkten angeboten werden.
Der Ansatz erinnert technisch an andere kamerabasierte Ambilight-Nachrüstlösungen.
Entscheidend wird sein, wie sauber die automatische Kalibrierung arbeitet und wie gut die Kamera schnelle Farbwechsel erkennt.
Auch die sichtbare Kamera oberhalb des Fernsehers dürfte nicht jedem gefallen. Dafür bietet sie einen Vorteil, den eine HDMI-Box nicht hat: Sie sieht wirklich alles, was auf dem Display erscheint.
Neue Hue Play HDMI Sync Box 4K als günstigere Alternative
Parallel führt Philips Hue eine neue Play HDMI Sync Box 4K ein.
Sie besitzt nur einen HDMI-Eingang und konzentriert sich damit auf einfachere Entertainment-Setups. Wer mehrere Zuspieler oder 8K-Unterstützung benötigt, soll weiterhin zur bestehenden Play HDMI Sync Box 8K greifen.
Der Preis der neuen 4K-Version liegt bei 149,99 Euro.
Für Nutzer mit nur einer Konsole oder einem Streaminggerät kann das ausreichen.
Wer allerdings Apple TV, Spielekonsole und weitere HDMI-Geräte gleichzeitig betreibt, dürfte mit einem einzigen Eingang schnell an Grenzen stoßen.
TV-Synchronisation erstmals ohne Hue Bridge
Interessant ist auch eine Änderung bei den Systemvoraussetzungen.
Ein Hue Play Gradient Lightstrip kann künftig per Bluetooth direkt mit der Play HDMI Sync Box 4K oder Play Screen Sync verbunden werden.
Eine Hue Bridge ist dafür nicht mehr zwingend erforderlich.
Wer eine Hue Bridge oder Bridge Pro verwendet, kann das Setup dagegen um bis zu zehn zusätzliche Hue-Leuchten erweitern.
Das senkt die Einstiegshürde für Nutzer, die ausschließlich eine Ambilight-ähnliche Beleuchtung hinter ihrem Fernseher möchten.
Neue Gradient Lightstrips passen sich der TV-Größe an
Auch die TV-Lightstrips selbst werden überarbeitet.
Der Philips Hue Play Gradient Lightstrip und der Gradient Lightstrip Pro lassen sich passend zur jeweiligen Bildschirmgröße zuschneiden.
Neu ist zudem eine Version für Fernseher mit bis zu 100 Zoll Bildschirmdiagonale.
Die Preise beginnen bei 99,99 Euro. Beide Varianten sind seit dem 3. September erhältlich.
Gerade die 100-Zoll-Unterstützung passt zum aktuellen Trend immer größerer Fernseher.
Liane bringt OmniGlow als flexiblen 360-Grad-Lichtschlauch
Neben Software und Entertainment zeigt Philips Hue mehrere neue Designleuchten.
Der auffälligste Neuzugang ist der Philips Hue Liane 360°-Lichtschlauch.
Er verwendet die OmniGlow-Technologie und soll dadurch über die gesamte Oberfläche gleichmäßig leuchten und fließende Farbverläufe darstellen.
Liane wird in drei und fünf Metern Länge angeboten und kann flexibel eingesetzt werden. Der Lichtschlauch lässt sich an Wand oder Decke montieren, über Möbel legen oder um architektonische Elemente führen.
Preislich bewegt sich Liane allerdings klar im Premiumbereich.
Die Serie startet bei 399,99 Euro.
Hue Signe bekommt drei neue Varianten
Auch die bekannte Signe-Serie wird erweitert.
Neu sind:
- Signe Pendelleuchte
- Signe Pendulum
- Signe Pole
Die Modelle setzen weiterhin auf eine sehr schmale Bauform und indirekte beziehungsweise diffuse Beleuchtung.
Die neuen Signe-Leuchten sollen im Laufe des Septembers 2026 erscheinen.
Die Preise beginnen bei 299,99 Euro.
Festavia kommt als Vorhang, Netz und Eiszapfen
Auch für dekorative Außenbeleuchtung erweitert Philips Hue das Angebot.
Die Festavia-Serie bekommt drei neue Varianten:
- Lichtervorhang
- Lichtnetz
- Eiszapfen-Lichterkette
Das Lichtnetz ist beispielsweise für Büsche und Hecken gedacht, während die Eiszapfen-Version stärker auf Balkone oder Dachkanten zielt.
Die neuen Festavia-Produkte starten bei 229,99 Euro, das Netzteil ist dabei nicht enthalten.
OmniGlow Outdoor-Lightstrip lässt sich zuschneiden
Mit dem OmniGlow Outdoor-Lightstrip bringt Hue außerdem einen neuen Lichtstreifen für den Außenbereich.
Er wird in Längen von drei, fünf und zehn Metern angeboten und kann zugeschnitten werden. Die OmniGlow-Technik soll dabei für eine gleichmäßigere Lichtverteilung sorgen.
Gedacht ist der Strip unter anderem für Terrassen und Wege.
Der Einstiegspreis liegt in Deutschland bei 199,99 Euro für drei Meter.
Dazu kommen neue günstigere Außenwandleuchten und Strahler. Genannt werden Semeru, Scenova, Muscari und Struana, die bei 79,99 Euro starten.
PixelFlow-Einordnung
Die interessantesten Hue-Neuheiten der IFA 2026 sind für mich nicht unbedingt die teuersten Leuchten.
Custom AI Behaviours könnte die Bedienung größerer Hue-Systeme deutlich vereinfachen. Automationen in natürlicher Sprache zu beschreiben, statt Bedingungen und Aktionen einzeln anzulegen, ist genau die Art von KI-Funktion, die im Smart Home einen konkreten Nutzen haben kann.
Auch Backup & Restore war längst überfällig. Wer viel Zeit in ein großes Hue-System investiert hat, sollte diese Konfiguration ohne großen Aufwand sichern und wiederherstellen können.
Beim Entertainment ist Play Screen Sync technisch interessant, weil damit endlich auch interne TV-Apps und lineares Fernsehen ohne spezielle TV-App synchronisiert werden können. Ob man dafür eine Kamera auf dem Fernseher akzeptiert, ist eine andere Frage.
Die Nanoleaf-Integration ist ebenfalls bemerkenswert. Hue öffnet sein Ökosystem damit zumindest punktuell für einen direkten Wettbewerber.
Bei den neuen Leuchten bleibt dagegen das bekannte Hue-Thema: Das Design und die Integration ins bestehende System sind attraktiv, die Preise liegen aber weiterhin deutlich über vielen Alternativen.
Gerade 399,99 Euro für den Liane 360°-Lichtschlauch zeigen, dass Philips Hue seine neuen Designprodukte klar im Premiumsegment positioniert.