Anker nutzt die IFA 2026 für deutlich mehr als neue Powerbanks und Kopfhörer. Der Hersteller führt seine bisherigen Markenwelten Anker, soundcore, SOLIX und eufy schrittweise unter der gemeinsamen Marke Anker zusammen. Gleichzeitig zeigt das Unternehmen, wie breit das eigene Portfolio inzwischen geworden ist. Ladegeräte, Hörhilfen, Schlaftechnik, Saugroboter, ein Mähroboter für riesige Grundstücke und ein lokaler KI-Hub gehören zu den wichtigsten Neuheiten.
Die Messe zeigt damit auch einen Strategiewechsel. Anker will nicht mehr nur einzelne Produktkategorien bedienen, sondern Geräte stärker über gemeinsame Software, lokale KI und vernetzte Systeme zusammenführen.
Anker, soundcore, eufy und SOLIX wachsen zusammen
Die sichtbarste Veränderung betrifft zunächst die Marke selbst.
Bisher standen Anker, soundcore, eufy und SOLIX recht klar für unterschiedliche Bereiche. Ladezubehör lief unter Anker, Audio unter soundcore, Smart Home und Haushaltsrobotik unter eufy und Energietechnik unter SOLIX.
Künftig soll diese Trennung Schritt für Schritt verschwinden. Neue Produkte tragen bereits stärker den gemeinsamen Namen Anker, bestehende Produktlinien sollen später folgen. Garantien und Kundenservice bleiben laut Unternehmen unverändert.
Für Nutzer könnte das langfristig vor allem dann relevant werden, wenn auch Apps, Konten und Plattformen stärker vereinheitlicht werden. Die Pressemeldung beschreibt diesen technischen Übergang allerdings noch nicht im Detail.
MagGo Power Bank 2 Pro lädt mit 25 Watt und aktiver Kühlung
Beim klassischen Anker-Kerngeschäft gibt es ebenfalls neue Hardware.
Die Anker MagGo Power Bank 2 Pro unterstützt magnetisches kabelloses Laden mit bis zu 25 Watt nach Qi 2.2 und setzt auf eine aktive Lüfterkühlung. Anker gibt an, dass die Temperatur des Smartphones beim Laden bei maximal rund 36 Grad Celsius gehalten werden soll.
Über USB-C liefert die Powerbank bis zu 45 Watt. Mit derselben Leistung kann sie selbst geladen werden. Nach Herstellerangaben erreicht der Akku innerhalb von 52 Minuten einen Ladestand von 80 Prozent.
Ein Smart Display zeigt unter anderem Ladeleistung und Temperatur an.
Der reguläre Preis liegt bei 109,99 Euro. Bis zum 16. September bietet Anker eine Vorbestelleraktion für 87,99 Euro an.
MagStand kombiniert Qi2, Kabel und Display
Für Schreibtisch oder Nachttisch zeigt Anker die neue MagStand Charging Station.
Sie verbindet drei Ladeoptionen in einem Gerät:
- kabelloses Laden mit bis zu 25 Watt
- ein ausziehbares Kabel mit bis zu 60 Watt
- einen zusätzlichen USB-C-Anschluss mit 30 Watt
Interessant ist auch hier die Temperaturregelung. Neben einem Fast Mode gibt es einen Care Mode, der das Smartphone laut Hersteller bei ungefähr 37 Grad Celsius halten soll.
Das Display zeigt Ladeleistung und verbleibende Ladezeit an. Optional können auch Uhrzeit, Wetterinformationen oder Fotos dargestellt werden.
Die MagStand Charging Station soll Mitte Oktober erscheinen und kostet 99,99 Euro.
Laptop Charger Pro soll den Akku bei 80 Prozent halten
Auch bei Notebook-Netzteilen setzt Anker stärker auf Akkuschonung.
Der Anker Laptop Charger Pro liefert über USB-C bis zu 100 Watt und soll das angeschlossene Notebook-Modell erkennen. Auf dieser Basis passt das Ladegerät die Ladekurve an.
Bei Macs funktioniert die Erkennung laut Anker direkt. Bei vielen Windows-Notebooks ist dafür eine Desktop-App erforderlich.
Über den Care Mode lässt sich der maximale Ladestand auf 80 Prozent begrenzen. Nutzer können diesen Wert anpassen.
Anker spricht von einer möglichen Verlängerung der Akkulebensdauer um mehr als 40 Prozent. Das ist eine Herstellerangabe und hängt in der Praxis stark von Nutzungsverhalten, Temperatur und Ladezyklen ab.
Der Charger kostet 59,99 Euro und soll Mitte Oktober verfügbar sein.
Neuer USB-C Hub schafft 4K mit 144 Hz
Für Desktop-Setups bringt Anker einen neuen USB-C Hub mit zehn Anschlüssen.
Der Hub unterstützt über HDMI 2.1 und DisplayPort 1.4 entweder:
- einen Monitor mit bis zu 4K und 144 Hz
- zwei Monitore mit bis zu 4K und 120 Hz
Ein integriertes Display zeigt den Status der Anschlüsse und Informationen zur Bildübertragung an.
Die Standardversion kostet 99,99 Euro. Eine Woche später folgt eine VALORANT Special Edition für 109,99 Euro.
Anker steigt erstmals in den Markt für Hörhilfen ein
Wesentlich überraschender ist eine andere Ankündigung.
Anker will künftig Hörhilfen anbieten und erschließt damit erstmals einen Bereich zwischen Consumer Audio und Gesundheitstechnik.
Die ersten Modelle sollen den hauseigenen Thus KI-Chip verwenden. Genannt werden unter anderem Geräuschunterdrückung, lange Akkulaufzeit und Schnellladen.
Konkrete Preise, Modellnamen oder technische Daten nennt Anker noch nicht.
Damit bleibt derzeit offen, in welchem Marktsegment die Geräte angeboten werden und wie stark sie sich von klassischen medizinischen Hörgeräten unterscheiden.
AeroClip 2 filtert Stimmen mit einem eigenen KI-Chip
Der Thus Chip kommt auch bei klassischen Kopfhörern zum Einsatz.
Die neuen Anker soundcore AeroClip 2 sind offene Clip-Kopfhörer und kosten 179,99 Euro.
Das System soll bei Telefonaten die menschliche Stimme von Hintergrundgeräuschen trennen. Auch sehr leises Sprechen soll im sogenannten Whisper Mode verständlich bleiben.
Für den Sitz hat Anker nach eigenen Angaben mehr als 2.000 Ohrprofile ausgewertet.
Zur Ausstattung gehören:
- 12-mm-Treiber
- LDAC
- Bluetooth 6.0
- bis zu 8 Stunden Akkulaufzeit
- bis zu 32 Stunden mit Ladecase
- vier Stunden Wiedergabe nach zehn Minuten Schnellladen
- kabelloses Laden
Im Januar 2027 folgt der AeroClip 2 Pro.
AeroClip 2 Pro speichert bis zu acht Stunden Audio
Die Pro-Version bekommt eine ungewöhnliche Zusatzfunktion.
Ein Tippen startet eine Audioaufnahme direkt über die Kopfhörer. Bis zu acht Stunden Audiomaterial sollen lokal gespeichert werden können.
Später können Nutzer per natürlich formulierter Frage nach bestimmten Informationen suchen oder automatisch erzeugte Zusammenfassungen abrufen.
Damit rückt Anker die Kopfhörer in Richtung persönlicher KI-Assistent.
Gerade bei einem solchen Gerät werden Datenschutz und die genaue Verarbeitung der Aufnahmen wichtig. Wie Anker diese Daten behandelt, beschreibt die vorliegende Ankündigung für den AeroClip 2 Pro noch nicht im Detail.
Space 2 Pro setzt auf acht Mikrofone für ANC
Bei Over-Ear-Kopfhörern zeigt Anker den neuen soundcore Space 2 Pro für 199,99 Euro.
Sechs Mikrofone kümmern sich laut Hersteller um die Sprachaufnahme bei Telefonaten. Insgesamt acht Mikrofone werden für die adaptive Geräuschunterdrückung eingesetzt.
Das System analysiert die Umgebung mit bis zu 384 kHz und passt das ANC automatisch an.
Für den Klang verwendet Anker eine 35-mm-Rigid-Flex-Membran und HearID 5.0. Nach einem Hörtest lässt sich ein individuelles Klangprofil erstellen.
Die Akkulaufzeit liegt bei:
- bis zu 30 Stunden mit ANC
- bis zu 60 Stunden ohne ANC
- acht weitere Stunden nach fünf Minuten Schnellladen
Sleep Earbuds 4 sollen Schnarchen erkennen
Noch stärker in Richtung Gesundheit geht Anker bei seinen soundcore Sleep Earbuds 4.
Die speziell für die Nacht entwickelten In-Ears kosten 249,99 Euro und sollen bei Frequenzen zwischen 200 und 800 Hz eine um drei bis fünf Dezibel stärkere Geräuschreduktion als der Vorgänger bieten.
Für das Gehäuse hat Anker nach eigenen Angaben mehr als 10.000 Ohrformen ausgewertet. Ziel ist ein möglichst geringer Druck beim Schlafen auf der Seite.
Ein KI-System erkennt Schnarchgeräusche und soll diese mit individuell angepassten Klängen überdecken.
Das Ladecase lauscht gleichzeitig auf sicherheitsrelevante Geräusche. Erkennt es beispielsweise einen Feueralarm, aktiviert es automatisch den Transparenzmodus.
Die Akkulaufzeit liegt bei bis zu zehn Stunden.
SleepLab Pro misst Schlaf ohne Uhr oder Ring
Mit dem Anker SleepLab Pro geht das Unternehmen noch einen Schritt weiter.
Das Gerät soll Anfang 2027 erscheinen und verwendet ein automatisch ausfahrendes 60-GHz-Radarsystem.
Damit misst es laut Anker:
- Schlafphasen
- Atmung
- Herzfrequenz
- Körperbewegungen
Ein Wearable am Körper ist dafür nicht notwendig.
Am nächsten Morgen erstellt die App einen Schlafbericht.
Licht und Klang reagieren auf die Schlafdaten
SleepLab Pro soll nicht nur messen, sondern auch reagieren.
Auf Basis der erkannten Schlafdaten erzeugt das Gerät passende Klang- und Lichtszenarien.
Anker verwendet dafür sogenannte Personalized Acoustic Beats. Sanfte Lautstärkeveränderungen sollen beim Einschlafen und beim Übergang in tiefere Schlafphasen helfen.
Dazu kommen:
- RGB-Licht
- warmweiße LEDs
- zwei Lautsprecher mit jeweils 7,5 Watt
- Bluetooth-Wiedergabe
Eine günstigere Version namens Anker SleepLab verzichtet auf Radar und Schlaftracking.
Medizinische Aussagen zur Wirksamkeit solcher Schlafhilfen lassen sich aus der Pressemeldung nicht ableiten. Ob die Klangmethoden den Schlaf messbar verbessern, müsste unabhängig untersucht werden.
eufy Mähroboter S2 Max schafft bis zu 15.000 Quadratmeter
Auch bei Robotik zeigt Anker mehrere interessante Neuheiten.
Der Anker eufy Mähroboter S2 Max ist laut Unternehmen der erste vollständig selbst entwickelte Mähroboter des Herstellers.
Er benötigt weder Begrenzungskabel noch RTK-Basisstation. Ein ausfahrbarer Mäharm soll direkt bis an Rasenkanten arbeiten.
Noch auffälliger ist die maximale Flächengröße.
Anker nennt bis zu 15.000 Quadratmeter.
Das entspricht 1,5 Hektar und liegt deutlich über typischen Privatgärten.
Allradantrieb und 38 Grad Steigung
Der S2 Max verfügt über Allradantrieb und soll Steigungen bis zu 38 Grad bewältigen können.
Damit zielt das Gerät nicht nur auf kleine, ebene Grundstücke.
Der Marktstart ist für das kommende Frühjahr geplant. Preis und vollständige technische Daten nennt Anker noch nicht.
Gerade die Frage, wie der Roboter ohne RTK eine derart große Fläche präzise kartiert, dürfte vor dem Marktstart interessant werden.
MindBase bringt lokale KI ins Zuhause
Eine der strategisch wichtigsten Neuheiten heißt Anker MindBase.
Dabei handelt es sich um einen lokalen KI-Hub, der Geräte miteinander verbindet, Entscheidungen vor Ort verarbeitet und persönliche Daten lokal speichern soll.
MindBase kombiniert drei zentrale Bereiche.
EasyOmni Link verbindet Anker-Produkte sowie Matter-kompatible Geräte anderer Hersteller.
Der TrueSmart Agent übernimmt KI-Aufgaben im Haushalt.
Für lokale Daten stehen bis zu 48 Terabyte erweiterbarer Speicherplatz zur Verfügung.
Das ist ein ungewöhnlich großer Speicherumfang für einen klassischen Smart-Home-Hub und zeigt, dass Anker deutlich mehr als einfache Automationen plant.
Sicherheitskameras werden erstes MindBase-System
Das erste konkrete Produkt ist das MindBase Security Kit.
Dazu gehören unter anderem:
- eufy TrackLight Cam S1 mit 4K-Telekamera und automatischer Verfolgung
- eufy Video Türklingel S4 mit 180-Grad-Panorama
- Smart Security Shield mit Dual-Radar
Das System soll bekannte Personen aus bis zu 30 Metern Entfernung erkennen können. Bestehende Aufnahmen einer eufy HomeBase S380 lassen sich auf MindBase übertragen.
Preis und Erscheinungstermin fehlen bislang.
eufy C30 Edge bringt 35.000 Pa in die Mittelklasse
Mit dem eufy C30 Edge zeigt Anker auch einen neuen Saug- und Wischroboter für 699 Euro.
Der Roboter erreicht bis zu 35.000 Pa Saugleistung.
Beim Wischen kommen zwei rotierende Pads mit 10 Newton Anpressdruck zum Einsatz. Sie können sich um bis zu 76 Millimeter ausfahren, um näher an Möbeln und Fußleisten zu reinigen.
Eine Zero-Tangle-Bürste soll verhindern, dass sich Haare aufwickeln. Die Seitenbürste kann ihre Drehrichtung ändern, um festhängende Haare selbstständig zu lösen.
Damit bringt Anker viele Funktionen aktueller Premiumroboter in eine deutlich günstigere Preisklasse.
Hydrojet E35 setzt auf kontinuierlich frisches Wasser
Oberhalb des C30 Edge positioniert Anker den eufy Hydrojet E35 für 999 Euro.
Auch er erreicht bis zu 35.000 Pa.
Die AeroTurbo Multi-Cyclone-Technik trennt Staub und Luft und soll dafür sorgen, dass die Saugleistung bei zunehmender Verschmutzung des Systems weniger stark nachlässt.
Für die Nassreinigung verwendet der E35 eine kontinuierlich rotierende Wischrolle.
Wischrolle wird ständig gereinigt
Das HydroJet-System versorgt die Walze während der Fahrt permanent mit Frischwasser und entfernt gleichzeitig aufgenommenen Schmutz.
Das Prinzip verhindert, dass eine immer schmutziger werdende Wischfläche über den restlichen Boden gezogen wird.
Die Rolle und die Seitenbürste fahren für die Kantenreinigung aus.
Türschwellen bis 30 Millimeter sollen überwunden werden können.
An der Station passiert anschließend fast alles automatisch:
- Wischrolle mit heißem Wasser reinigen
- Staubbehälter leeren
- Reinigungsmittel nachfüllen
eufyMake Fabric Printer bedruckt Kleidung und Transferfolien
Eine der ungewöhnlichsten Anker-Neuheiten richtet sich an Kreative.
Der eufyMake Fabric Printer ist für das erste Quartal 2027 angekündigt.
Das Gerät beherrscht sowohl Direct-to-Garment, kurz DTG, als auch Direct-to-Film, kurz DTF.
Damit lassen sich Textilien direkt bedrucken oder Motive zunächst auf Transfermaterial aufbringen.
Hitzepresse steckt direkt im Drucker
Im DTG-Modus nennt Anker Pantone-zertifizierte Farbverläufe und eine Atmungsaktivität des Textils von bis zu 90 Prozent.
Der DTF-Modus unterstützt Baumwolle, Polyester und weitere Materialien.
Mehr als zehn Spezialeffekte sind vorgesehen, darunter:
- Glitzer
- dreidimensionaler Puff-Druck
- weitere Veredelungen
Eine integrierte 160-Grad-Hitzepresse macht ein separates Gerät überflüssig.
Das Tintensystem arbeitet mit CMYK plus zwei Weißkanälen. Anker nennt Tintenkosten von ungefähr 0,30 Euro pro Druck.
Ein selbstreinigendes System soll den Wartungsaufwand reduzieren.
PixelFlow-Einordnung
Ankers IFA-Auftritt 2026 ist ungewöhnlich breit. Das Unternehmen zeigt nicht einfach eine neue Powerbank-Serie und ein paar Kopfhörer, sondern arbeitet sichtbar daran, mehrere bisher getrennte Bereiche miteinander zu verbinden.
Am interessantesten finde ich dabei drei Entwicklungen.
Die erste ist MindBase. Ein Smart-Home-Hub mit lokaler KI, Matter-Unterstützung und bis zu 48 TB Speicher könnte gerade für Nutzer interessant werden, die ihre Kameradaten und Automationen nicht vollständig in der Cloud verwalten möchten.
Die zweite ist der eufy S2 Max. Bis zu 15.000 Quadratmeter ohne Begrenzungskabel und ohne RTK sind eine ambitionierte Ansage. Wie die Navigation auf einer solchen Fläche gelöst wird, muss Anker allerdings noch genauer erklären.
Der dritte Punkt ist der Einstieg in den Gesundheitsbereich. Hörhilfen, Sleep Earbuds und SleepLab Pro zeigen, dass Anker hier ein neues Geschäftsfeld aufbauen möchte. Gerade bei Gesundheitsfunktionen wird aber entscheidend sein, sauber zwischen Lifestyle-Technik und medizinischen Geräten zu unterscheiden.
Die Zusammenführung der Marken ergibt vor diesem Hintergrund Sinn. Ladegeräte, Audio, Smart Home, Robotik und Energie liegen technisch längst näher beieinander als früher.
Ob Nutzer am Ende davon profitieren, entscheidet sich aber weniger am Logo auf dem Produkt. Entscheidend wird sein, ob Anker Apps, lokale Datenverarbeitung, KI und Geräte tatsächlich so zusammenführt, dass daraus ein geschlossenes System entsteht.