Zendure Agentic HEMS: KI steuert Energie im ganzen Haus

Photovoltaik, Batteriespeicher, dynamische Stromtarife, Wärmepumpe und Elektroauto machen das Energiemanagement zu Hause deutlich komplexer. Genau dort setzt Zendure auf der IFA 2026 mit Agentic HEMS an. Das System soll nicht nur einzelne Ladezeiten optimieren, sondern den gesamten Energiehaushalt vorausschauend koordinieren und Entscheidungen zunehmend selbstständig treffen.

Der Begriff HEMS steht für Home Energy Management System. Solche Systeme sind grundsätzlich nicht neu. Zendure will mit Agentic HEMS aber einen Schritt weitergehen: weg von einzelnen Regeln und Zeitplänen, hin zu einem System, das Prognosen erstellt, mehrere Ziele gleichzeitig berücksichtigt und seine Strategie laufend anpasst.

Warum ein normales Energiemanagement schnell an Grenzen kommt

Ein moderner Haushalt hat heute deutlich mehr Energieflüsse als noch vor wenigen Jahren.

Tagsüber produziert die PV-Anlage Strom. Ein Teil wird direkt verbraucht, ein anderer Teil landet im Speicher. Gleichzeitig soll das Elektroauto möglichst günstig geladen werden. Die Wärmepumpe benötigt ebenfalls Energie und am Abend steigt der normale Haushaltsverbrauch.

Bei einem dynamischen Stromtarif kommt noch eine weitere Variable hinzu: Netzstrom kann morgens teuer, am Nachmittag günstig und am Abend wieder deutlich teurer sein.

Zendure beschreibt genau dieses Problem. Erzeugung, Speicherung und Verbrauch müssen immer stärker in Echtzeit aufeinander abgestimmt werden. Dabei sollen nicht nur Kosten sinken. Auch Komfort, Batterielebensdauer und Systemsicherheit müssen berücksichtigt werden.

Klassisches AI Scheduling beantwortet in erster Linie die Frage: Wann soll der Akku geladen oder entladen werden?

Agentic HEMS soll dagegen die größere Frage beantworten: Welche Energiestrategie ist für den gesamten Haushalt in den nächsten Stunden oder Tagen sinnvoll?

Agentic HEMS soll nicht nur reagieren

Zendure beschreibt Agentic HEMS als systemweite Intelligenz für das Zuhause.

Das System erfasst zunächst die aktuelle Situation, erstellt anschließend Prognosen, berücksichtigt Gewohnheiten und Anforderungen der Bewohner und entscheidet daraus, was als Nächstes passieren soll.

Es soll dabei auch aus vergangenen Entscheidungen lernen und seine Strategie laufend anpassen.

Das klingt zunächst sehr abstrakt. Technisch teilt Zendure die Plattform deshalb in drei Bereiche:

KomponenteAufgabe
ZenPulsePrognosen erstellen
ZENKI AI AgentsEntscheidungen planen und ausführen
Zen+OSGeräte und Dienste miteinander verbinden

Diese drei Bausteine greifen ineinander und sollen aus einzelnen Komponenten ein gemeinsames Energiesystem machen.

ZenPulse prognostiziert Stromverbrauch und Solarertrag

Der erste Baustein heißt ZenPulse.

Dabei handelt es sich um Zendures eigenes Zeitreihenmodell. Es verarbeitet verschiedene Datenquellen und versucht daraus abzuleiten, wie sich der Energiebedarf des Haushalts in den kommenden Stunden oder Tagen entwickeln wird.

ZenPulse berücksichtigt laut Zendure unter anderem:

  • erwartete PV-Erzeugung
  • Wetterdaten
  • Strompreise
  • bisherigen Energieverbrauch
  • Nutzerverhalten
  • Kalenderdaten
  • Zustand von Batterie und Geräten

Der Ansatz geht damit über eine einfache Wetterprognose hinaus.

Ein klassischer Speicher könnte beispielsweise erkennen, dass morgen viel Sonne erwartet wird. Agentic HEMS soll zusätzlich berücksichtigen, wie hoch der Haushaltsverbrauch wahrscheinlich ausfällt, wann das Auto geladen werden muss und wie viel Energie vorsorglich im Akku bleiben sollte.

Nicht nur Solarertrag, sondern verfügbare Flexibilität

Zendure spricht bei ZenPulse ausdrücklich nicht nur von einzelnen Prognosewerten.

Das Modell soll erkennen, welche energetische Flexibilität vorhanden ist.

Das bedeutet beispielsweise:

Wann kommt wahrscheinlich überschüssiger Solarstrom?

Wann ist Netzstrom günstig?

Wie viel Energie benötigt der Haushalt voraussichtlich am Abend?

Wie viel Akkukapazität sollte für später reserviert werden?

Genau das ist bei dynamischen Tarifen relevant. Ein Speicher sollte nicht automatisch vollständig entladen werden, nur weil der Strompreis gerade hoch ist, wenn wenige Stunden später ein hoher Verbrauch erwartet wird.

Ebenso kann es sinnvoll sein, den Akku trotz verfügbarer Kapazität nicht sofort mit Netzstrom zu laden, wenn am nächsten Mittag viel Solarstrom erwartet wird.

ZENKI AI Agents treffen daraus Entscheidungen

Die Prognosen von ZenPulse bilden anschließend die Grundlage für ZENKI AI Agents.

Zendure setzt dabei nicht auf einen einzelnen KI-Assistenten, sondern auf mehrere spezialisierte Agents.

Sie übernehmen verschiedene Aufgaben, darunter:

  • Energy Scheduling
  • Lernen von Nutzergewohnheiten
  • Optimierung des Gesamtsystems
  • Überwachung der Systemsicherheit

Diese Agents sollen mehrere Ziele gleichzeitig berücksichtigen.

Das ist wichtig, weil die günstigste Strategie nicht zwangsläufig die beste Strategie ist.

Ein Beispiel: Der Speicher könnte theoretisch jeden Tag besonders aggressiv geladen und entladen werden, um kleine Preisunterschiede am Strommarkt auszunutzen. Das wäre möglicherweise günstig, könnte aber zusätzliche Batteriezyklen verursachen.

Agentic HEMS soll deshalb Kosten, Komfort, Batterielebensdauer und Sicherheit gemeinsam betrachten.

Das System soll einen kompletten Regelkreis bilden

Zendure beschreibt den Ablauf nicht als einmalige Entscheidung.

Die Agents planen zunächst eine Strategie, führen sie aus, überwachen das Ergebnis und passen die Planung danach erneut an.

Daraus entsteht ein kontinuierlicher Regelkreis:

Prognose → Planung → Handlung → Kontrolle → neue Planung

Genau darin liegt der Unterschied zu einfachen Automationen.

Eine klassische Regel könnte lauten: „Lade den Speicher zwischen 2 und 4 Uhr, wenn der Strompreis unter 20 Cent fällt.“

Agentic HEMS soll dagegen zusätzlich prüfen, ob diese Aktion angesichts der Wetterprognose, des erwarteten Stromverbrauchs und des aktuellen Batteriezustands überhaupt sinnvoll ist.

Zen+OS verbindet Geräte unterschiedlicher Hersteller

Der dritte Baustein heißt Zen+OS.

Die Plattform soll verhindern, dass Agentic HEMS ausschließlich mit Zendure-Produkten funktioniert.

Zendure setzt nach eigenen Angaben auf Open APIs und ein offenes Ökosystem. Bereits unterstützt werden unter anderem MQTT, Home Assistant und Homey.

Das ist für ein Energiemanagementsystem wichtig.

Ein typischer Haushalt besteht nicht ausschließlich aus Geräten eines Herstellers. Die PV-Anlage kann einen Wechselrichter von Hersteller A besitzen, die Wärmepumpe stammt von Hersteller B, die Wallbox von Hersteller C und der Speicher von Zendure.

Ein HEMS wird erst dann wirklich interessant, wenn es diese Komponenten gemeinsam steuern kann.

Mehr als 5.000 Wärmepumpenmodelle sollen unterstützt werden

Zendure nennt bereits einige Größenordnungen für das geplante beziehungsweise bestehende Ökosystem.

Zen+OS integriert laut Hersteller:

  • mehr als 870 Energieanbieter in Europa
  • mehr als 150 Millionen Kunden über diese Anbieter
  • mehr als 90 Prozent gängiger Haushaltsanwendungen
  • mehr als 5.000 Wärmepumpenmodelle
  • gängige Dach-PV-Wechselrichter
  • führende EV-Ladelösungen

Gerade die Wärmepumpen-Unterstützung ist relevant. Sie gehören in vielen Haushalten zu den größeren flexiblen Verbrauchern.

Wenn ein System weiß, wann Wärme benötigt wird und wann Strom günstig beziehungsweise reichlich vorhanden ist, lassen sich Heizbetrieb und Speicher besser koordinieren.

Beispiel: Das Auto muss nicht sofort laden

Zendure erklärt Agentic HEMS an einem typischen Abend.

Die Strompreise sind hoch, im Haushalt wird gleichzeitig viel Energie benötigt und das Elektroauto ist angeschlossen.

Ein einfaches System könnte versuchen, alles gleichzeitig zu versorgen.

Agentic HEMS soll stattdessen erkennen, dass das Fahrzeug erst am nächsten Morgen benötigt wird.

Dann könnte das System zunächst gespeicherte Solarenergie für den Haushalt verwenden und den Ladevorgang des Autos auf ein späteres, günstigeres Zeitfenster verschieben.

Der Nutzer muss dabei nicht ständig Ladezeiten kontrollieren oder Strompreise beobachten.

Bei schlechtem Wetter kann der Speicher vorsorglich laden

Noch interessanter wird die Planung über mehrere Tage.

Wenn ZenPulse erkennt, dass mehrere bewölkte Tage bevorstehen, könnte Agentic HEMS den Speicher vorher zu günstigen Netzstrompreisen laden.

Damit steht später Energie zur Verfügung, obwohl die PV-Anlage kaum Ertrag liefert.

Genau hier geht Zendures Ansatz über einfache Solaroptimierung hinaus.

Ein klassischer Balkonspeicher versucht meist, möglichst viel selbst erzeugte Energie zu speichern.

Ein HEMS mit dynamischem Tarif kann dagegen auch entscheiden, dass Netzstrom zu bestimmten Zeiten wirtschaftlich sinnvoll ist.

Auch Fehler einer Wärmepumpe sollen berücksichtigt werden

Zendure nennt noch ein weiteres Szenario.

Agentic HEMS soll Auffälligkeiten bei angeschlossenen Geräten erkennen können, beispielsweise bei einer Wärmepumpe.

Das System könnte solche Veränderungen anschließend in seine weitere Energiestrategie einbeziehen.

Wie weit diese Diagnose tatsächlich reicht, wird aus den Unterlagen allerdings nicht deutlich.

Zwischen „ungewöhnlich hoher Stromverbrauch erkannt“ und einer echten technischen Fehlerdiagnose besteht ein großer Unterschied.

Hier müsste Zendure noch genauer erklären, welche Daten verfügbar sind und welche Rückschlüsse das System daraus ziehen kann.

ZenWave bringt dynamische Strompreise direkt ins System

Zendure bietet mit ZenWave auch einen eigenen dynamischen Stromtarif an.

Damit kann das Energiemanagement gezielt günstige Zeitfenster nutzen und den Speicher bei niedrigen Preisen aus dem Netz laden.

Das passt zum Agentic-HEMS-Konzept.

Statt lediglich Solarenergie zu verwalten, wird der Speicher damit Teil eines größeren Energiehandels im Haushalt.

Wann Netzstrom gekauft wird, hängt dann nicht nur vom aktuellen Preis ab, sondern auch davon, was das System für die kommenden Stunden erwartet.

SolarFlow Mix bildet die Speicherbasis

Auf der IFA zeigt Zendure Agentic HEMS nicht nur als Softwareidee.

Zum ZEN+ Home Ökosystem gehören mehrere Hardwareprodukte.

Die SolarFlow Mix Serie ist als Plug-in-Speicherlösung für das gesamte Zuhause gedacht.

Das System soll die Kapazität und Leistung eines klassischen Heimspeichers mit einer einfacheren Installation verbinden und lässt sich modular erweitern.

Damit verfolgt Zendure einen ähnlichen Trend wie andere Speicherhersteller: Balkonspeicher werden größer, leistungsfähiger und rücken technisch immer näher an vollwertige Hausspeicher.

PowerHub wird zur zentralen Schaltstelle

Eine besonders wichtige Rolle übernimmt der Zendure PowerHub.

Er verbindet mehrere SolarFlow-Mix-Einheiten mit:

  • Dach-PV-Anlagen
  • EV-Ladegeräten
  • Wärmepumpen

Der PowerHub koordiniert diese Komponenten innerhalb eines gemeinsamen Energiesystems und soll zugleich eine Notstromversorgung auf USV-Niveau ermöglichen.

Damit wird deutlich, dass Agentic HEMS nicht nur für kleine Balkonkraftwerke gedacht ist.

Zendure zielt langfristig auf ein komplettes Energiesystem für Einfamilienhäuser.

SolarFlow 2400 bleibt für Balkonkraftwerke interessant

Für kleinere Systeme gibt es weiterhin die SolarFlow 2400 Serie.

Sie richtet sich an Balkonkraftwerke und Nachrüstungen und soll sich mit geringem Installationsaufwand in Betrieb nehmen lassen.

Das ist strategisch wichtig.

Zendure versucht damit, verschiedene Größenklassen unter dieselbe Plattform zu bringen.

Ein Nutzer könnte mit einem kleineren Balkonspeicher beginnen und später auf eine größere Hauslösung wechseln, ohne das gesamte Energiemanagement neu aufzubauen.

RangeFlow bringt das Energiesystem aufs E-Bike

Auch E-Mobilität gehört zum IFA-Auftritt.

Zendure zeigt mit RangeFlow ein eigenes Cargo-Bike und verbindet es mit dem Energiesystem zu Hause.

Dazu kommt die EVFlow AC Series als smarte Wallbox für Elektroautos.

Beide Systeme sollen in HEMS 2.0 integriert sein und damit möglichst viel selbst erzeugten Solarstrom nutzen können.

Der Gedanke dahinter ist logisch.

Wenn ein Haushalt bereits Solarenergie produziert und speichert, sollte das Energiemanagement auch entscheiden können, wann Fahrzeug oder E-Bike geladen werden.

Agentic HEMS und klassisches AI Scheduling im Vergleich

FunktionAI SchedulingAgentic HEMS
Ladezeiten optimierenJaJa
PV-Prognosen berücksichtigenteilweiseJa
Strompreise einbeziehenJaJa
Haushaltsverbrauch prognostizierenteilweiseJa
Wärmepumpe koordinierenbegrenztvorgesehen
Elektroauto einbeziehenbegrenztvorgesehen
mehrere Ziele gleichzeitig abwägenbegrenztJa
mehrtägige Planungbegrenztvorgesehen
aus Ergebnissen lerneneingeschränktJa
gesamtes Haus koordinierenNeinZiel des Systems

Zendure fasst den Unterschied selbst ziemlich knapp zusammen: AI Scheduling optimiert einzelne Energieentscheidungen. Agentic HEMS soll den gesamten Energiehaushalt vorausschauend koordinieren.

Was Zendure noch erklären muss

Das Konzept klingt technisch schlüssig, aber einige Fragen bleiben offen.

Zendure nennt in den vorliegenden Unterlagen keinen klaren Zeitpunkt, ab wann Agentic HEMS mit allen beschriebenen Funktionen vollständig verfügbar sein soll.

Auch Preise oder mögliche Abo-Modelle werden nicht genannt.

Offen bleibt unter anderem:

  • Welche Funktionen laufen lokal?
  • Welche Daten werden in der Cloud verarbeitet?
  • Welche Zen+OS-Funktionen sind bereits heute verfügbar?
  • Welche Features folgen erst später?
  • Welche Geräte lassen sich vollständig steuern und welche nur auslesen?
  • Wie verhält sich das System bei einem Internetausfall?
  • Welche manuellen Eingriffe haben Nutzer jederzeit zur Verfügung?

Gerade bei einem System, das zunehmend autonom über Stromflüsse entscheidet, sind diese Punkte wichtig.

PixelFlow-Einordnung

Agentic HEMS gehört für mich zu den interessanteren Energieankündigungen der IFA 2026, weil Zendure nicht einfach einen neuen Speicher mit größerem Akku präsentiert.

Der Hersteller beschäftigt sich mit dem Problem, das hinter all diesen Geräten entsteht: Wer koordiniert sie eigentlich?

Ein Haushalt mit PV-Anlage, Batteriespeicher, Wärmepumpe, dynamischem Tarif und Elektroauto kann technisch schnell so komplex werden, dass man das Maximum nur mit ständiger Kontrolle herausholt.

Genau dort kann ein gutes HEMS sinnvoll sein.

Zendures Ansatz mit ZenPulse, ZENKI und Zen+OS klingt nachvollziehbar. Besonders die Unterstützung von MQTT, Home Assistant und Homey gefällt mir, weil ein Energiesystem nicht auf Produkte eines einzigen Herstellers beschränkt sein sollte.

Trotzdem würde ich Agentic HEMS aktuell eher als Plattform und Richtung einordnen als als fertiges Produkt, das man heute einfach kauft und vollständig nutzt.

Die eigentliche Qualität wird sich erst zeigen, wenn das System über Monate reale Haushalte steuert. Dann wird sichtbar, ob die Prognosen stimmen, ob die Agents tatsächlich Geld sparen und ob Nutzer weiterhin verstehen, warum der Speicher, die Wärmepumpe oder das Auto gerade auf eine bestimmte Weise gesteuert werden.

Wenn Zendure diese Transparenz hinbekommt, könnte Agentic HEMS wesentlich interessanter sein als die nächste reine Steigerung von Speicherkapazität oder Wechselrichterleistung.

LarsStephan
LarsStephan
Ich bin Technik-Enthusiast, Digital-Nerd und kreativer Kopf hinter PixelFlow.eu – einem Online-Magazin, das Technik nicht nur erklärt, sondern erlebbar macht. Mit einem Gespür für Trends, einem Faible für smarte Lösungen wie Balkonkraftwerke und einem offenen Blick für alles, was sich durch Strom, Daten und Innovation antreiben lässt, schreibe ich unterhaltsam und journalistisch über das, was die Tech-Welt bewegt. Ob Produkttest, Event oder Branchen-Insight – mein Ziel ist es, Technik verständlich, relevant und mit einem Augenzwinkern rüberzubringen. Für Early Adopters genauso wie für Alltagsnutzer.

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