Xiaomi auf der IFA 2026: 380 Produkte, Auto-Pläne und mehr Mijia für Europa

Xiaomi feiert auf der IFA 2026 sein Messe-Debüt und fällt direkt groß aus. Auf mehr als 3.300 Quadratmetern zeigt das Unternehmen über 380 Produkte, Technologien und Live-Demonstrationen. Der gemeinsame Nenner heißt „Human x Car x Home“. Smartphones, Smart-Home-Geräte und künftig auch Autos sollen nicht länger getrennt funktionieren, sondern über Xiaomi HyperOS und künstliche Intelligenz miteinander kommunizieren.

Für Europa ist der Auftritt mehr als eine große Produktschau. Xiaomi bestätigt den Ausbau seiner Smart-Home-Marke Mijia, zeigt seine aktuelle Auto-Strategie und bereitet den Markteintritt von Xiaomi Auto für 2027 vor. Gleichzeitig demonstriert das Unternehmen eigene KI-Modelle, neue Chiptechnik und erste praktische Einsätze humanoider Roboter.

Drei Bereiche zeigen, wohin Xiaomi will

Xiaomi teilt seinen IFA-Auftritt in drei Bereiche: AI Tomorrow, AI Today und das Human x Car x Home Produktportfolio.

AI Tomorrow blickt mit dem Xiaomi Vision Gran Turismo auf zukünftige Mobilität. AI Today soll dagegen zeigen, was schon heute möglich ist. Dazu gehören der Xiaomi SU7 Max sowie vernetzte Wohnbereiche für Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer und Arbeitszimmer.

Der dritte Bereich bildet mit über 380 Produkten das eigentliche Portfolio ab. Xiaomi nennt sieben Kategorien:

  • Kochen und Lebensmittelaufbewahrung
  • Haushaltsreinigung
  • Luftqualität
  • audiovisuelle Unterhaltung
  • Sicherheit
  • persönliche Geräte
  • intelligente Mobilität

Dabei geht es Xiaomi weniger darum, möglichst viele Geräte nebeneinanderzustellen. Der Hersteller will zeigen, dass dieselben Plattformen, Konten und KI-Funktionen über mehrere Produktkategorien hinweg verwendet werden können.

Human x Car x Home soll mehr sein als eine Geräte-App

Das Konzept Human x Car x Home verfolgt Xiaomi seit einigen Jahren. Auf der IFA zeigt der Hersteller es erstmals in dieser Breite.

Technische Grundlage ist Xiaomi HyperOS. Darüber sollen Smartphones, Haushaltsgeräte und Fahrzeuge miteinander kommunizieren und Informationen austauschen.

Die Größe des vorhandenen Ökosystems ist bereits beachtlich. Xiaomi nennt mehr als 1,1 Milliarden vernetzte AIoT-Geräte, Smartphones, Tablets und Laptops nicht mitgerechnet. Die Plattform erreicht laut Hersteller über 175 Millionen Nutzer und Haushalte weltweit.

Xiaomi will diese bestehende Gerätebasis jetzt stärker miteinander verzahnen.

Das klingt zunächst ähnlich wie bei anderen Smart-Home-Plattformen. Der Unterschied soll darin liegen, dass Geräte nicht nur Befehle empfangen, sondern gemeinsam Situationen erkennen und daraus Aktionen ableiten.

Das Smart Home soll schon reagieren, bevor du zu Hause bist

Xiaomi zeigt auf der IFA mehrere Beispiele dafür.

Während der Fahrt nach Hause kann das System Informationen wie Uhrzeit, Standort und Wetter berücksichtigen. Beleuchtung oder Klimaanlage könnten dadurch bereits angepasst werden, bevor die Person die Wohnung erreicht.

Ein anderes Beispiel verbindet Smartphone und Drucker. Der Befehl „Drucke das Foto, das ich gerade aufgenommen habe“ soll reichen, damit mehrere Geräte automatisch zusammenarbeiten.

Auch Beleuchtung, Jalousien und Raumtemperatur lassen sich laut Xiaomi abhängig von einer Tätigkeit wie Lesen gemeinsam einstellen.

Genau hier entscheidet sich, ob Human x Car x Home im Alltag einen Vorteil bringt. Eine zentrale App für viele Geräte ist heute nichts Besonderes mehr. Interessanter wird es, wenn mehrere Produkte tatsächlich einen gemeinsamen Kontext verstehen.

MiMo, Miloco und Miclaw bilden Xiaomis KI-Basis

Xiaomi entwickelt dafür auch eigene KI-Technologien.

Auf der IFA nennt der Hersteller unter anderem MiMo-V2.5-Pro, Xiaomi Miloco und Xiaomi Miclaw. Die Systeme sollen Aufgaben wie Sprachverständnis, logisches Schlussfolgern und die Ausführung mehrstufiger Aktionen übernehmen.

Xiaomi beschreibt damit einen ähnlichen Weg wie andere große Tech-Unternehmen. KI soll nicht nur Fragen beantworten, sondern auf Geräte zugreifen und Aufgaben über mehrere Systeme hinweg ausführen.

Für Nutzer wird dabei ein Punkt wichtig: Wie viel davon läuft lokal und wie viel über die Cloud?

Die vorliegende Ankündigung nennt dafür keine genaue Aufteilung. Auch welche Funktionen beim europäischen Start in deutscher Sprache zur Verfügung stehen, bleibt offen.

Xiaomi 18 Fold bringt den neuen XRING O3 Chip

Neben Software und KI zeigt Xiaomi auch neue eigene Hardware.

Auf der IFA präsentiert das Unternehmen das Xiaomi 18 Fold. Das faltbare Flaggschiff-Smartphone verwendet erstmals den neuen Xiaomi XRING O3 Chip.

Xiaomi nennt den Chip als Teil seiner neuen AI-Computing-Grundlage für Human x Car x Home. Eigene Rechenarchitektur und NPUs sollen KI direkt auf Geräten, Energieeffizienz und die Kommunikation zwischen verschiedenen Produktklassen verbessern.

Damit setzt Xiaomi einen Weg fort, den das Unternehmen bereits mit eigenen Prozessorentwicklungen eingeschlagen hat.

Für Xiaomi hat ein eigener Chip strategische Vorteile. Hardware und Software können enger aufeinander abgestimmt werden, während sich das Unternehmen langfristig weniger stark auf externe Plattformen verlassen muss.

Wie leistungsfähig XRING O3 gegenüber aktuellen Snapdragon-, MediaTek- oder Apple-Chips ist, lässt sich aus der Ankündigung allerdings noch nicht ableiten.

Humanoide Roboter arbeiten bereits in Xiaomis Autofabrik

Auch Robotik spielt auf der IFA eine größere Rolle.

Xiaomi testet humanoide Roboter bereits in der eigenen Fertigung. Bei einer Aufgabe zur Schraubensicherung in der Xiaomi Auto Factory konnte die Erfolgsquote laut Hersteller innerhalb von vier Monaten von etwa 90 auf 98 Prozent gesteigert werden.

Auf der Messe zeigt Xiaomi zudem den CyberOne. Der humanoide Roboter interagiert mit Besuchern über Gesten und wird gleichzeitig unter realen Bedingungen in der Autofertigung weiterentwickelt.

Xiaomi nutzt die Produktionsumgebung dabei als Testfeld für Wahrnehmung, Bewegungssteuerung und Aufgabenausführung.

Das ist wesentlich interessanter als eine reine Bühnendemonstration. In einer Fabrik müssen Roboter ihre Aufgaben reproduzierbar und mit hoher Zuverlässigkeit erledigen. Ob daraus später auch Consumer-Robotik entsteht, sagt Xiaomi in der Meldung jedoch nicht.

Xiaomi Auto wird Teil des Ökosystems

Der Auto-Bereich ist einer der größten Unterschiede zu Xiaomis bisherigen Europa-Auftritten.

Auf der IFA zeigt das Unternehmen drei Fahrzeuge beziehungsweise Konzepte. Im Mittelpunkt steht das Xiaomi Vision Gran Turismo, das als virtuelles Elektro-Hypercar für das Gran-Turismo-Franchise entwickelt wurde.

Das Design trägt den Namen „Shaped by the Wind“ und kombiniert ein tropfenförmiges Cockpit mit einem sogenannten Active Wake Control System.

Deutlich näher am realen Markt sind die neue Generation der Xiaomi SU7 Serie und der Xiaomi SU7 Ultra.

Die SU7-Serie ist tief in HyperOS integriert und soll persönliche Geräte, das Fahrzeug und Smart-Home-Produkte miteinander verbinden. Der SU7 Ultra positioniert sich als Performance-Modell und wurde unter anderem auf der Nürburgring-Nordschleife erprobt.

Xiaomi Auto kommt 2027 nach Deutschland

Noch wichtiger ist für europäische Käufer der bestätigte Marktstart.

Xiaomi Auto hat seit März 2024 mehr als 700.000 Fahrzeuge in Festlandchina ausgeliefert. Für 2027 plant Xiaomi den Einstieg in Europa und ausdrücklich auch in Deutschland.

Damit wird der Autoteil von Human x Car x Home künftig auch für deutsche Nutzer relevant.

Welche Fahrzeuge zuerst angeboten werden, nennt Xiaomi in dieser IFA-Mitteilung nicht. Auch Preise, konkrete Verkaufsstarttermine und europäische Spezifikationen stehen noch aus.

Der Aufbau eines deutschen Händlernetzes läuft bereits. Xiaomi hatte auf der IFA parallel Absichtserklärungen mit acht deutschen Autohandelsgruppen unterzeichnet.

Mijia soll in Europa deutlich größer werden

Nicht jeder IFA-Besucher wird 2027 direkt ein Xiaomi-Auto kaufen. Für deutlich mehr Nutzer dürfte deshalb der Ausbau von Mijia relevant sein.

Xiaomi kündigt auf der Messe an, seine Smart-Home-Marke in Europa schrittweise zu erweitern.

Mijia umfasst weltweit bereits mehr als 2.000 Produkte in über 130 Kategorien. Gesteuert werden kompatible Geräte über die Xiaomi Home App.

Dazu können klassische Smart-Home-Produkte genauso gehören wie große Haushaltsgeräte.

Für Xiaomi ist das ein wichtiger Schritt. In China reicht Mijia seit Jahren deutlich weiter als das Produktangebot, das offiziell in Deutschland erhältlich ist.

Der Ausbau könnte deshalb dafür sorgen, dass europäische Nutzer künftig wesentlich mehr Geräte direkt über das Xiaomi-Ökosystem beziehen können.

Welche der mehr als 2.000 Produktvarianten tatsächlich nach Deutschland kommen, nennt das Unternehmen noch nicht.

Xiaomi investiert mehr als 24 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung

Der IFA-Auftritt ist zugleich eine Ansage, wie viel Geld Xiaomi in die technische Basis des Ökosystems stecken will.

Zwischen 2026 und 2030 plant das Unternehmen globale Investitionen von mehr als 24 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung.

Im Fokus stehen:

  • künstliche Intelligenz
  • Betriebssysteme
  • eigene Halbleiter
  • intelligente Fahrzeuge
  • Robotik
  • intelligente Fertigung

Das ist für die langfristige Strategie wichtiger als einzelne Produktneuheiten. Xiaomi versucht, möglichst viele Schlüsseltechnologien selbst zu kontrollieren.

Das betrifft nicht nur Software, sondern reicht vom Chip über das Smartphone und Smart Home bis zur Autofertigung.

Smart Factory produziert alle 6,5 Sekunden eine Klimaanlage

Wie stark Xiaomi inzwischen auch in Fertigung investiert, zeigt ein Blick auf die eigenen Werke.

Die Xiaomi Smart Factory besitzt laut Hersteller eine jährliche Kapazität von rund zehn Millionen Flaggschiff-Smartphones.

Der Standort in Wuhan verbindet Forschung, Produktion und Validierung und umfasst 46 Labore. Bei voller Auslastung läuft dort laut Xiaomi alle 6,5 Sekunden eine Klimaanlage vom Band.

Die Fabriken sind gleichzeitig Testumgebungen für eigene Robotik und KI-Systeme.

Das macht deutlich, warum Xiaomi das Thema intelligente Fertigung auf einer Consumer-Messe überhaupt so stark betont. Das Unternehmen sieht Produktion, Produkte und Software zunehmend als zusammenhängende Plattform.

PixelFlow-Einordnung

Xiaomis erstes IFA-Jahr ist weit mehr als eine Sammlung neuer Smartphones und Haushaltsgeräte.

Mit über 380 Produkten auf 3.300 Quadratmetern zeigt Xiaomi, wie breit das eigene Geschäft inzwischen geworden ist. Der wichtigere Punkt ist aber, dass der Hersteller diese Produktgruppen stärker miteinander verbinden will.

Mijia soll in Europa wachsen. Xiaomi Auto startet 2027. Eigene KI-Modelle und Chips bilden die technische Grundlage. CyberOne wird bereits in der Fahrzeugproduktion getestet.

Human x Car x Home klingt dadurch weniger abstrakt als noch vor einigen Jahren.

Trotzdem wird sich das Konzept erst im Alltag beweisen müssen. Ein Ökosystem ist nur dann wirklich praktisch, wenn Geräte unterschiedlicher Generationen zuverlässig miteinander funktionieren, Automationen nachvollziehbar bleiben und Nutzer jederzeit kontrollieren können, welche Daten verwendet werden.

Für Europa ist die Richtung aber klar: Xiaomi will hier künftig nicht nur Smartphones, Wearables und einzelne Smart-Home-Produkte verkaufen. Das Unternehmen bereitet eine Plattform vor, die vom Handy über die Küche bis zum Auto reicht.

Und genau das macht Xiaomis IFA-Debüt 2026 interessanter als die reine Zahl von 380 ausgestellten Produkten.

LarsStephan
LarsStephan
Ich bin Technik-Enthusiast, Digital-Nerd und kreativer Kopf hinter PixelFlow.eu – einem Online-Magazin, das Technik nicht nur erklärt, sondern erlebbar macht. Mit einem Gespür für Trends, einem Faible für smarte Lösungen wie Balkonkraftwerke und einem offenen Blick für alles, was sich durch Strom, Daten und Innovation antreiben lässt, schreibe ich unterhaltsam und journalistisch über das, was die Tech-Welt bewegt. Ob Produkttest, Event oder Branchen-Insight – mein Ziel ist es, Technik verständlich, relevant und mit einem Augenzwinkern rüberzubringen. Für Early Adopters genauso wie für Alltagsnutzer.

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