Pool reinigen, Rasen bewässern, Bodenfeuchte prüfen und den Garten auch während des Urlaubs versorgen: Für viele dieser Aufgaben gibt es längst smarte Einzelgeräte. Aiper will diese Systeme nun stärker miteinander verbinden. Auf der IFA 2026 zeigt der Hersteller sein erweitertes Smart Yard Ökosystem, in dem Poolroboter, Bewässerung, Sensoren, Wetterdaten und weitere Geräte über eine zentrale Plattform zusammenarbeiten.
Der Ansatz ist interessant, weil Aiper damit nicht einfach weitere vernetzte Geräte nebeneinanderstellt. Das System soll Informationen zwischen den Geräten austauschen und Abläufe automatisch anpassen.
Smart Yard verbindet Pool und Garten
Die technische Grundlage nennt Aiper AIoT, also eine Kombination aus künstlicher Intelligenz und vernetzten Geräten.
Kompatible Produkte greifen auf gemeinsame Informationen zurück. Dazu gehören Wetterdaten, Zeitpläne und Messwerte von Bodensensoren. Daraus können automatisch passende Abläufe entstehen.
Zum Smart Yard Ökosystem gehören laut Aiper:
- Poolreinigungsroboter
- Bewässerungssysteme
- Mähroboter
- Bodensensoren
- Wetterstationen
- Solarpanels
Gesteuert wird das Ganze über die Aiper-App. Dort lassen sich einzelne Geräte verwalten und Routinen für Pool und Garten einrichten.
Der eigentliche Vorteil liegt aber nicht in einer weiteren App. Interessant wird das System erst dann, wenn Geräte tatsächlich aufeinander reagieren.
Bewässerung pausiert automatisch bei feuchtem Boden
Aiper zeigt dafür drei typische Szenarien: Daily Care, Climate Care und Vacation Care.
Daily Care übernimmt wiederkehrende Aufgaben. Das System kann beispielsweise Mähen, Bewässerung, Bodenüberwachung und Poolreinigung koordinieren.
Ein konkretes Beispiel: Misst der Bodensensor bereits ausreichend Feuchtigkeit, pausiert das System eine geplante Bewässerung. Dadurch soll Wasser nicht einfach nach einem starren Zeitplan verteilt werden.
Climate Care berücksichtigt Wetterveränderungen. Erkennt das System Regen, können Bewässerung und bestimmte Reinigungsabläufe angepasst oder pausiert werden.
Vacation Care richtet sich an längere Abwesenheiten. Pool und Garten sollen nach festgelegten Regeln weiter gepflegt werden, ohne dass Nutzer jeden Vorgang einzeln starten müssen.
Genau solche Abläufe entscheiden darüber, ob ein vernetztes Gartensystem tatsächlich Arbeit spart oder nur mehrere Geräte in derselben App zusammenfasst.
Aiper IrriSense 2 SE bewässert bis zu sechs Zonen
Passend zum neuen Ökosystem zeigt Aiper auf der IFA den IrriSense 2 SE.
Das 3-in-1-System besteht aus Controller, Rasensprenger und Elektroventil. Mit 30 Zentimetern Länge und 2,6 Kilogramm Gewicht soll es ohne aufwendige Installation eingesetzt werden können. Aiper nennt für die Einrichtung rund zehn Minuten.
Über die App lassen sich Karten, Bewässerungszonen und Zeitpläne erstellen.
Bis zu sechs unterschiedliche Zonen können separat konfiguriert werden. Das ist beispielsweise sinnvoll, wenn Rasen, Beete und andere Pflanzen unterschiedliche Wassermengen benötigen.
Bis zu 445 Quadratmeter Bewässerungsfläche
Für die Wasserverteilung nutzt Aiper seine EvenRain-Technik. Der Sprenger soll eine Fläche von bis zu 445 Quadratmetern abdecken und eine Reichweite von maximal zwölf Metern erreichen.
Das System kann zudem Wetterinformationen und Messwerte eines Bodensensors berücksichtigen.
Aiper spricht von bis zu 40 Prozent weniger Wasserverbrauch gegenüber herkömmlichen fest installierten Bewässerungssystemen.
Diese Zahl sollte allerdings als Herstellerangabe verstanden werden. Wie groß die Einsparung tatsächlich ausfällt, hängt stark von Garten, bisheriger Bewässerung, Wetter und individuellen Einstellungen ab.
Solarpanel soll den Betrieb unabhängig vom Stromnetz machen
Der IrriSense 2 SE kann mit einem Aiper-Solarpanel kombiniert werden.
Damit sollen bis zu neun Stunden Betrieb ohne Verbindung zum Stromnetz möglich sein. Während des Ladens über das Panel bleibt das Bewässerungssystem laut Aiper einsatzbereit.
Gerade in größeren Gärten kann das praktisch sein, wenn an der gewünschten Position keine Steckdose vorhanden ist.
Scuba V3 Ultra erkennt Schmutz mit zwei Kameras
Deutlich mehr Technik steckt im neuen Aiper Scuba V3 Ultra.
Aiper bezeichnet ihn als KI-gestützten 6-in-1-Poolreinigungsroboter. Das Gerät soll nicht nur feste Reinigungsprogramme abarbeiten, sondern Poolgröße, Wetterbedingungen und bisherige Einstellungen berücksichtigen.
Die sogenannte AI Patrol Cleaning Technologie kombiniert Umgebungserkennung und Routenplanung. Daraus wählt der Roboter selbst einen passenden Reinigungsmodus.
Aiper spricht von einem Reinigungsplan für bis zu sieben Tage ohne manuelle Eingriffe.
Zwei Kameras erkennen mehr als 20 Schmutzarten
Der Scuba V3 Ultra nutzt zwei Kameras zur räumlichen Erfassung seiner Umgebung.
Sie arbeiten über und unter der Wasserlinie und sollen Objekte beziehungsweise Verschmutzungen bis zu zwei Meter Entfernung erkennen.
Aiper nennt:
- Reaktionszeit von 0,1 Sekunden
- Erkennung von mehr als 20 Schmutzarten
- räumliche Tiefenwahrnehmung
- automatische Anpassung der Reinigung an die Verschmutzung
Interessant ist auch der Umgang mit den Bilddaten. Laut Aiper werden die Kameraaufnahmen weder gespeichert noch in die Cloud übertragen.
Gerade bei Geräten mit Kameras ist diese Information relevant, auch wenn sich die genaue technische Umsetzung erst anhand weiterer Dokumentation bewerten lässt.
Sechs Funktionen für verschiedene Poolbereiche
Der Scuba V3 Ultra reinigt mehrere Bereiche eines Pools:
- Poolboden
- Wände
- Wasserlinie
- Wasseroberfläche
- flache Bereiche ab 20 Zentimetern Wassertiefe
- Wasserpflege über eine integrierte Chlortablettenkammer
Damit soll ein einzelnes Gerät Aufgaben übernehmen, für die bisher teilweise verschiedene Roboter oder manuelle Reinigungsschritte nötig waren.
Bei der reinen Bodenreinigung nennt Aiper eine maximale Laufzeit von 240 Minuten.
Bis zu 32.200 Liter pro Stunde
Für die Schmutzaufnahme arbeitet der Poolroboter mit einer Dual-Pumpe.
Die maximale Saugleistung gibt Aiper mit 32.200 Litern pro Stunde an.
Das mehrstufige MicroMesh-Filtersystem kombiniert einen 180-Mikrometer-Filter mit einer deutlich feineren 3-Mikrometer-Stufe. Damit soll der Roboter sowohl größere Verschmutzungen als auch sehr feine Partikel aufnehmen.
Nach der Reinigung fährt der 13 Kilogramm schwere Scuba V3 Ultra zur Wasseroberfläche. Dort kann er leichter entnommen werden, während aufgenommenes Wasser aus dem Gerät abläuft.
Aiper will weg vom einzelnen Poolroboter
Der größere Punkt hinter den neuen Produkten ist das Smart Yard Ökosystem selbst.
Aiper war bisher vor allem für Poolreinigungsroboter bekannt. Mit Bewässerung, Sensoren, Mährobotern und einer gemeinsamen Steuerung versucht der Hersteller nun, einen größeren Teil der Gartenpflege abzudecken.
Das ergibt aus Nutzersicht durchaus Sinn. Wetterdaten oder Bodenfeuchte sind beispielsweise nicht nur für eine Bewässerungsanlage interessant. Dieselben Informationen können auch bestimmen, wann ein Mähroboter sinnvoll eingesetzt wird.
Entscheidend wird sein, wie offen das System langfristig aufgebaut ist. Aus der Ankündigung geht nicht hervor, ob sich Geräte anderer Hersteller einbinden lassen oder Smart Yard weitgehend auf Aiper-Produkte beschränkt bleibt.
PixelFlow-Einordnung
Aipers Smart Yard ist spannender als eine reine Sammlung neuer Gartenroboter. Der Hersteller versucht, mehrere Bereiche zusammenzuführen und Entscheidungen anhand gemeinsamer Daten zu treffen.
Gerade bei der Bewässerung ergibt das sofort einen praktischen Nutzen. Ein System, das Bodenfeuchtigkeit und Wetter berücksichtigt, kann sinnvoller arbeiten als ein einfacher Zeitplan.
Beim Scuba V3 Ultra wird es technisch anspruchsvoller. Kameras, Schmutzerkennung und automatische Routenplanung klingen auf dem Papier sinnvoll. Ob der Roboter dadurch einen Pool sichtbar gründlicher oder effizienter reinigt, muss sich in einem Praxistest zeigen.
Der langfristig wichtigere Punkt dürfte aber die Plattform sein. Wenn Bewässerung, Poolreinigung, Rasenpflege und Sensorik zuverlässig zusammenarbeiten, könnte Smart Yard die Gartenpflege tatsächlich vereinfachen. Wenn am Ende jedes Gerät trotzdem einzeln konfiguriert werden muss, bleibt vom Ökosystem-Gedanken deutlich weniger übrig.