RayNeo iO und GT Max: Zwei AR-Brillen für Arbeit und mobiles Kino

Smart Glasses sollen längst mehr können, als nur ein großes virtuelles Display vor die Augen zu setzen. RayNeo trennt diese Aufgaben jetzt bewusst auf zwei Produktlinien auf. Die RayNeo iO richtet sich an Nutzer, die Informationen, Übersetzungen und KI-Funktionen im Alltag vor Augen haben möchten. RayNeo GT und GT Max konzentrieren sich dagegen auf Filme, Gaming und große virtuelle Bildflächen. Beide Serien starten am 4. September 2026.

RayNeo iO und GT Max im Vergleich

MerkmalRayNeo iORayNeo GTRayNeo GT Max
SchwerpunktKI, Informationen, ProduktivitätMedien und GamingKino und Medien
Gewicht33 g68 g78 g
Sichtfeld23,5°46°59°
DisplayMonochromes grünes MicroLEDBirdbath-OptikTandem MicroOLED
Virtuelle BildgrößeText-Overlaybis 231 Zollbis 307 Zoll
BedienungSmart Crown, Sprache, Kopfgesten3DoF-Tracking3DoF-Tracking
Audiokeine Lautsprechervier Lautsprechervier Lautsprecher
Dolby Visionneinmit Pocket TV Promit Pocket TV Pro

Die Gegenüberstellung zeigt ziemlich gut, warum RayNeo die Geräte voneinander trennt. Die iO soll möglichst unauffällig im Alltag funktionieren, während GT und GT Max sichtbar als Display-Brillen gedacht sind.

RayNeo iO zeigt Informationen direkt im Sichtfeld

Mit 33 Gramm fällt die RayNeo iO für eine Smart Glasses vergleichsweise leicht aus. RayNeo verteilt das Gewicht im Verhältnis 50:50 zwischen Vorderseite und Bügeln. Das Gehäuse kombiniert eine Magnesium-Aluminium-Legierung mit Titanbügeln.

Das Display arbeitet anders als bei einer klassischen Videobrille. Ein monochromes grünes MicroLED-System projiziert Texte und Informationen über einen transparenten Waveguide ins Sichtfeld. Die optische Transparenz gibt RayNeo mit 97 Prozent an, die maximale Helligkeit mit 1.300 Nits.

Die Idee dahinter: Termine, Hinweise oder Übersetzungen sollen erscheinen, ohne dass du permanent auf ein Smartphone oder eine Smartwatch schauen musst.

Bei der Bedienung setzt RayNeo auf eine Smart Crown am rechten Bügel. Das kleine Drehrad lässt sich drehen und drücken. Bestimmte Benachrichtigungen können laut Hersteller auch per Kopfbewegung bestätigt oder verworfen werden. Eine fest verbaute LED zeigt an, sobald Mikrofone oder Übersetzungsfunktionen aktiv sind.

KI, Übersetzungen und Teleprompter statt Netflix

Der Schwerpunkt der iO liegt klar auf Informationen und Sprache. Das System soll nach Meetings Aufgaben erkennen und Kalendereinträge vorschlagen. RayNeo nennt diese Funktion „Ambient AI Life Log“. Hinzu kommen Live-Übersetzungen und ein Teleprompter, der den Text beim Sprechen automatisch weiterschiebt.

Für die Spracherfassung besitzt die Brille vier Mikrofone und einen Sensor, der Vibrationen der Stimme erfasst. Lautsprecher gibt es bewusst nicht. Audioausgabe ist damit nicht die Aufgabe der iO.

Bei den Übersetzungsfunktionen widersprechen sich die von RayNeo bereitgestellten Unterlagen allerdings. Die Pressemeldung spricht von 55 Sprachen und 109 Akzenten, während das separate Media Kit bei Live-Übersetzungen 40 Sprachen nennt. Für Sprachnotizen führt das Media Kit wiederum 112 Sprachen auf. Eine eindeutige Angabe für den Verkaufsstart lässt sich aus den Unterlagen daher noch nicht ableiten.

Bis zu 48 Stunden typische Nutzung

Im Inneren steckt ein Akku mit 240 mAh. RayNeo nennt bis zu 48 Stunden typische Nutzung und bis zu 96 Stunden Standby-Zeit. Die Pressemeldung nennt zusätzlich 18 Stunden kontinuierliche Aufnahme oder 6,2 Stunden dauerhafte Übersetzung.
Wie realistisch die 48 Stunden sind, hängt stark davon ab, welche Funktionen tatsächlich laufen. Wer regelmäßig Übersetzungen, Mikrofone und das Display nutzt, dürfte deutlich früher zur Steckdose müssen als bei gelegentlichen Benachrichtigungen.

RayNeo GT Max setzt auf ein virtuelles Kino mit 307 Zoll

Ganz anders funktioniert die RayNeo GT Max. Hier geht es nicht um kleine Textinformationen am Rand des Sichtfelds, sondern um eine möglichst große virtuelle Leinwand.

Die GT Max erreicht ein Sichtfeld von 59 Grad und bietet drei virtuelle Bildgrößen mit 227, 267 und 307 Zoll. Dafür setzt RayNeo auf seine Peacock Optical Engine 3.0 Max und ein Tandem-MicroOLED-Display.

Für die Stabilisierung des Bildes gibt es einen eigenen Zone-360-Chip mit 3DoF-Tracking. Drei Modi stehen zur Verfügung: Im Steady Mode sollen Bewegungen auf Reisen ausgeglichen werden, im Pinned Mode bleibt das virtuelle Display an einer festen Position im Raum, während Follow Mode der Kopfbewegung folgt.

Die Audiowiedergabe übernehmen vier Lautsprecher, die gemeinsam mit Bang & Olufsen abgestimmt wurden. Dazu kommen räumliches Audio mit Kopfverfolgung und ein gerichteter Whisper Mode.

Dolby Vision funktioniert zusammen mit dem Pocket TV Pro

Interessant wird GT beziehungsweise GT Max in Kombination mit dem bereits vorgestellten RayNeo Pocket TV Pro. Zusammen unterstützt das System laut RayNeo natives Dolby Vision. Eine Echtzeit-Konvertierung von SDR zu HDR gehört ebenfalls zum Funktionsumfang.

Damit wird auch klar, wie RayNeo sein neues Portfolio aufbauen möchte. Die GT-Serie liefert Bildschirm und Audio, während der Pocket TV Pro Google TV, Streaming-Apps und Akku übernimmt.

Was gut klingt und was noch offen bleibt

Die Trennung zwischen iO und GT-Serie finde ich sinnvoller als den Versuch, alles in eine einzige Brille zu packen. Wer Termine und Übersetzungen sehen möchte, braucht keine 307-Zoll-Leinwand. Wer einen Film schaut, interessiert sich dagegen kaum für ein monochromes Textdisplay.

Bei der iO wird der Alltagstest spannend. 33 Gramm sind ein guter Ausgangspunkt, doch Tragekomfort entscheidet sich nicht allein am Gewicht. Auch Displaylesbarkeit bei Sonne, Zuverlässigkeit der Sprachfunktionen und tatsächliche Akkulaufzeit müssen sich erst zeigen.

Bei der GT Max ist die Positionierung klarer. 59 Grad Sichtfeld, 3DoF-Tracking und bis zu 307 Zoll sprechen Nutzer an, die unterwegs möglichst nah an ein großes Display herankommen möchten.

Preise und Verfügbarkeit

Die RayNeo iO kostet laut Media Kit 479 US-Dollar mit Standard-Case. Das Paket mit Charging Case liegt bei 529 US-Dollar, das Charging Case allein bei 69 US-Dollar. Zum Start kündigt RayNeo einen zeitlich begrenzten Rabatt von 30 US-Dollar an. Europreise nennt das Unternehmen in den vorliegenden Unterlagen nicht.

RayNeo iO, GT und GT Max sollen ab dem 4. September 2026 erhältlich sein. Auf der IFA 2026 zeigt RayNeo die neuen Modelle vom 4. bis 8. September in Halle 21A. Für GT und GT Max nennt die vorliegende Pressemeldung noch keine Preise.

PixelFlow-Einordnung

RayNeo verfolgt mit den neuen Brillen zwei sehr unterschiedliche Ideen. Die iO versucht, Smart Glasses tatsächlich wie eine normale Brille wirken zu lassen und Informationen möglichst unauffällig ins Sichtfeld zu bringen. GT und GT Max ersetzen dagegen eher einen mobilen Bildschirm.

Für mich ist die iO dabei das interessantere Experiment, weil 33 Gramm, transparente Optik und die lange Laufzeit näher an einer Brille für den Alltag liegen als viele bisherige Konzepte. Ob KI-Protokolle, Übersetzungen und Benachrichtigungen wirklich genug Mehrwert liefern, entscheidet sich aber erst in der Praxis. Bei der GT Max weiß man dagegen ziemlich genau, was man bekommt: eine große virtuelle Leinwand für Filme und Gaming.

LarsStephan
LarsStephan
Ich bin Technik-Enthusiast, Digital-Nerd und kreativer Kopf hinter PixelFlow.eu – einem Online-Magazin, das Technik nicht nur erklärt, sondern erlebbar macht. Mit einem Gespür für Trends, einem Faible für smarte Lösungen wie Balkonkraftwerke und einem offenen Blick für alles, was sich durch Strom, Daten und Innovation antreiben lässt, schreibe ich unterhaltsam und journalistisch über das, was die Tech-Welt bewegt. Ob Produkttest, Event oder Branchen-Insight – mein Ziel ist es, Technik verständlich, relevant und mit einem Augenzwinkern rüberzubringen. Für Early Adopters genauso wie für Alltagsnutzer.

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