Smart Homes können heute schon Lampen, Heizungen, Haushaltsgeräte oder Solaranlagen miteinander verbinden. Das Problem ist oft weniger die Technik selbst, sondern die Bedienung. Wer für jede Situation eigene Regeln und Automationen anlegen muss, verliert schnell den Überblick. LG will das mit seinem AI Home einfacher machen und zeigt auf der IFA 2026 mit ThinQ Claw einen neuen KI-Agenten für das vernetzte Zuhause.
Dabei geht es nicht nur darum, einzelne Geräte per Sprach- oder Texteingabe zu steuern. ThinQ Claw soll Zusammenhänge erkennen und verschiedene Geräte sowie Dienste passend zur aktuellen Situation miteinander verknüpfen.
ThinQ Claw soll nicht nur einzelne Befehle ausführen
ThinQ Claw ist ein textbasierter KI-Agent, den LG für sein AI-Home-System entwickelt hat. Die Lösung basiert nach Angaben des Herstellers auf dem Konzept von OpenClaw und wurde für LGs eigene Smart-Home-Umgebung angepasst.
Der Unterschied zu klassischen Smart-Home-Befehlen liegt vor allem im Kontext.
Statt beispielsweise nur auf einen Befehl wie „Schalte das Licht ein“ zu reagieren, soll ThinQ Claw mehrere Informationen berücksichtigen. Dazu können Termine, Routinen, der Zustand des Hauses und die Nutzung vernetzter Geräte gehören.
LG nennt dafür einige Beispiele. Erwartest du Besuch, könnte das System passende Kochgeräte in die Vorbereitung einbeziehen. Vor deiner Rückkehr nach Hause könnte es Luftqualität und Raumtemperatur prüfen. Auch Vorschläge für Unterhaltung oder Entspannung sollen möglich sein.
Das klingt auf dem Papier deutlich näher an einem digitalen Assistenten als an einer klassischen Smart-Home-Steuerung.
Smart Home per Chat statt komplizierter Regeln
Interessant ist vor allem die Art der Bedienung.
ThinQ Claw soll über eine Chat-Oberfläche funktionieren. Nutzer können dort Pläne, Wünsche oder den aktuellen Status beschreiben. Das System versucht anschließend, daraus passende Schritte abzuleiten.
Damit könnte ein Teil der typischen Smart-Home-Konfiguration wegfallen.
Heute funktionieren viele Systeme nach dem Prinzip „Wenn A passiert, dann führe B aus“. Das ist zwar flexibel, setzt aber voraus, dass Nutzer selbst festlegen, wann welche Aktion starten soll.
ThinQ Claw soll solche Zusammenhänge anhand einer normalen Beschreibung verstehen und anschließend geeignete Geräte oder Dienste einbeziehen.
Wie zuverlässig das im Alltag funktioniert, bleibt allerdings offen. Gerade bei einem System, das mehrere Geräte selbstständig koordinieren soll, kommt es darauf an, dass Absichten richtig erkannt werden und keine unerwarteten Aktionen entstehen.
Homey verbindet Geräte verschiedener Hersteller
LG beschränkt sein AI Home nicht auf eigene Geräte.
Eine zentrale Rolle spielt dabei Homey. LG hat die Smart-Home-Plattform 2024 übernommen. Homey kann Geräte verschiedener Hersteller und Dienste in einer gemeinsamen Umgebung verwalten.
Das ist für ein vernetztes Zuhause besonders wichtig. Kaum jemand besitzt Fernseher, Lampen, Haushaltsgeräte, Heizung und Energiesystem ausschließlich von einer einzigen Marke.
Ein Smart Home wird deshalb erst wirklich interessant, wenn Geräte verschiedener Hersteller miteinander kommunizieren können.
LG zeigt auf der IFA 2026, wie Homey dafür als zentrale Plattform eingesetzt werden kann.
Solaranlage, Speicher und Wallbox zusammen steuern
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Energieverbrauch im Haushalt.
LG demonstriert ein Home Energy Management System, kurz HEMS. Dabei verbindet Homey verschiedene Komponenten eines Energiesystems miteinander:
- Smart Meter
- Solaranlage
- Heimspeicher
- Ladelösung für Elektroautos
- LG-Haushaltsgeräte
Das System soll Stromerzeugung, Speicherung und Verbrauch in Echtzeit koordinieren. Auch dynamische Stromtarife können berücksichtigt werden, sofern sie am jeweiligen Standort verfügbar sind.
Gerade dieser Bereich könnte im Alltag interessanter sein als viele klassische Smart-Home-Spielereien.
Wenn eine Solaranlage gerade viel Strom produziert, könnte beispielsweise ein Haushaltsgerät gezielt zu diesem Zeitpunkt laufen. Bei einem günstigen dynamischen Stromtarif könnte Energie aus dem Netz geladen oder ein Elektroauto zu einem günstigeren Zeitpunkt versorgt werden.
Ob und wie stark sich dadurch tatsächlich Stromkosten reduzieren lassen, hängt allerdings von Tarif, Geräten, Verbrauchsprofil und vorhandener Energietechnik ab.
ThinQ Pro geht über das eigene Zuhause hinaus
Mit ThinQ Pro erweitert LG das Konzept auf größere Gebäude.
Die Plattform feiert auf der IFA 2026 ihre Europa-Premiere und richtet sich an Mehrfamilienhäuser sowie gewerbliche Umgebungen. Ziel ist es, Geräte und Gebäudetechnik zentral zu verwalten.
Damit geht LG einen Schritt über das klassische Smart Home hinaus.
Interessant könnte ThinQ Pro beispielsweise für Wohnanlagen, Büros oder andere Gebäude sein, in denen viele vernetzte Geräte zentral überwacht und gesteuert werden müssen.
Konkrete Details zum Funktionsumfang oder zu möglichen Kosten nennt LG bisher allerdings nicht.
Datenschutz wird zum wichtigen Thema
Je stärker ein Smart Home Gewohnheiten, Kalender, Geräte und Verbrauchsdaten miteinander verbindet, desto wichtiger wird die Sicherheit der gespeicherten Informationen.
LG setzt dafür auf sein Sicherheitsframework LG Shield. Es soll vernetzte Geräte, Dienste und Kundendaten innerhalb des AI-Home-Systems schützen.
Wie ThinQ Claw Daten konkret verarbeitet, welche Informationen lokal bleiben und welche Daten über Server verarbeitet werden, geht aus der aktuellen Ankündigung allerdings nicht hervor.
Gerade bei einem KI-Agenten, der Routinen und persönliche Situationen berücksichtigen soll, dürfte dieser Punkt für viele Nutzer relevant sein.
Für wen könnte LG AI Home interessant sein?
Das neue Konzept richtet sich vor allem an Nutzer, die bereits mehrere vernetzte Geräte besitzen und deren Zusammenspiel vereinfachen möchten.
Interessant könnte das System besonders für Haushalte sein, die Smart-Home-Geräte verschiedener Hersteller nutzen. Durch Homey muss die Umgebung nicht vollständig aus LG-Produkten bestehen.
Auch Haushalte mit Photovoltaikanlage, Heimspeicher oder Elektroauto könnten von einer zentralen Energieverwaltung profitieren.
Wer dagegen nur einzelne smarte Lampen oder ein paar Steckdosen steuert, dürfte von einem KI-Agenten wie ThinQ Claw zunächst weniger profitieren.
PixelFlow-Einordnung
LGs AI Home zeigt eine Entwicklung, die beim Smart Home längst überfällig ist. Mehr Geräte und mehr Automationen machen ein Zuhause nicht automatisch einfacher. Entscheidend ist vielmehr, wie leicht sich diese Technik bedienen lässt.
ThinQ Claw könnte genau dort ansetzen. Die Idee, Wünsche und Situationen einfach per Chat zu beschreiben, statt für jede Situation Regeln anzulegen, klingt sinnvoll. Noch muss LG aber zeigen, wie zuverlässig der KI-Agent komplexe Zusammenhänge tatsächlich versteht.
Noch interessanter finde ich die Verbindung mit Homey und dem Energiemanagement. Solaranlage, Speicher, Wallbox und Haushaltsgeräte gemeinsam zu steuern, hat einen klaren praktischen Nutzen.
Wann ThinQ Claw und ThinQ Pro in Deutschland verfügbar sein werden, steht aktuell noch nicht fest. LG will Details zur Verfügbarkeit zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben.