Ultrakurzdistanz-Projektoren sind längst mehr als eine Alternative zum Fernseher. XGIMI will mit der neuen AURA 3-Serie vor allem Nutzer ansprechen, die große Bilddiagonalen mit hoher Helligkeit und Gaming-Funktionen verbinden möchten. Zur IFA 2026 zeigt der Hersteller mit AURA 3 Max und AURA 3 Pro zwei neue Modelle mit RGB-Triple-Laser, 4K bei 120 Hz und einem erstmals bei XGIMI eingesetzten Dual-Iris-System.
Das Spitzenmodell AURA 3 Max erreicht laut Hersteller bis zu 5.700 ISO-Lumen und soll Bilder mit bis zu 200 Zoll projizieren können. Der AURA 3 Pro kommt auf 4.100 ISO-Lumen. Beide Modelle starten im Oktober zunächst über Kickstarter.
120 Zoll aus rund 20 Zentimetern Entfernung
Der größte Vorteil eines Ultrakurzdistanz-Projektors liegt in der Aufstellung. Statt mehrere Meter vom Bild entfernt zu stehen, platziert man den Projektor direkt vor der Wand oder Leinwand.
Beim AURA 3 Max nennt XGIMI für ein 120-Zoll-Bild einen Abstand von rund acht Zoll, also etwa 20 Zentimetern. Das Projektionsverhältnis liegt bei 0,163:1.
Damit kann der Projektor auf einem klassischen Lowboard stehen und trotzdem ein Bild erzeugen, das deutlich größer als die meisten Fernseher ausfällt.
Bis zu 200 Zoll sollen möglich sein. Eine solche Bildgröße stellt allerdings hohe Anforderungen an Raum, Leinwand und Umgebungslicht. Für die meisten Wohnzimmer dürfte der Bereich zwischen 100 und 120 Zoll realistischer sein.
XGIMI kombiniert RGB-Triple-Laser mit Dual Iris
Technisch interessant ist vor allem das neue optische System.
Die AURA 3-Serie verwendet eine RGB-Triple-Laser-Lichtquelle. Dabei entstehen Rot, Grün und Blau direkt durch separate Laserlichtquellen. Das kann gegenüber klassischen Projektionssystemen Vorteile bei Farbraumabdeckung und Farbreinheit bieten.
Neu ist das sogenannte Dynamic Dual Iris System.
XGIMI verbaut zwei dynamisch gesteuerte optische Blenden. Sie regulieren den Lichtstrom abhängig vom dargestellten Bild. Helle Szenen können dadurch mit hoher Lichtleistung dargestellt werden, während dunkle Szenen stärker abgedunkelt werden.
Ziel ist ein höherer Kontrast und ein besserer Schwarzwert.
XGIMI bezeichnet die AURA 3-Serie als weltweit erste UST-Projektor-Reihe mit einem solchen Dual-Iris-System. Diese Aussage stammt vom Hersteller.
Bis zu 8.000:1 nativer Kontrast
Für die AURA 3-Serie nennt XGIMI einen nativen Kontrast von bis zu 8.000:1.
Gerade bei Ultrakurzdistanz-Projektoren ist der Kontrast ein wichtiger Punkt. Hohe Lichtleistung allein erzeugt noch kein gutes Heimkinobild. Schwarzwert und Durchzeichnung dunkler Bereiche bestimmen mindestens genauso stark, wie plastisch ein Film wirkt.
Das Dual-Iris-System könnte hier einen echten Vorteil bringen. Wie groß dieser ausfällt, müsste sich aber in einem Test mit identischen Messbedingungen zeigen.
Auch die Angabe zum nativen Kontrast sollte man deshalb zunächst als Herstellerwert betrachten.
AURA 3 Max erreicht 5.700 ISO-Lumen
Beim Flaggschiff AURA 3 Max nennt XGIMI eine maximale Helligkeit von 5.700 ISO-Lumen.
Der AURA 3 Pro erreicht laut Hersteller 4.100 ISO-Lumen.
Das sind für UST-Projektoren hohe Werte und könnten den Einsatz in helleren Wohnräumen erleichtern. Trotzdem ersetzt eine hohe Projektorhelligkeit keine passende Leinwand.
Gerade bei Ultrakurzdistanz-Projektoren kann eine ALR- beziehungsweise CLR-Leinwand einen großen Unterschied machen. Sie soll Umgebungslicht reduzieren und gleichzeitig das vom Projektor kommende Licht gezielt zum Zuschauer reflektieren.
Auf der IFA zeigt XGIMI den AURA 3 Max deshalb zusammen mit der ausfahrbaren XGIMI Ascend Leinwand.
AURA 3 Max und Pro im Vergleich
| Merkmal | AURA 3 Max | AURA 3 Pro |
|---|---|---|
| Auflösung | 4K | 4K |
| Bildwiederholrate | bis 120 Hz | bis 120 Hz |
| Lichtquelle | RGB Triple Laser | RGB Triple Laser |
| Helligkeit | bis 5.700 ISO-Lumen | bis 4.100 ISO-Lumen |
| Kontrast | bis 8.000:1 | bis 8.000:1 |
| Dual Iris | Ja | Ja |
| VRR | Ja | Ja |
| ALLM | Ja | Ja |
| Dolby Vision | Ja | Ja |
| HDR10+ | Ja | Ja |
| HLG | Ja | Ja |
| IMAX Enhanced | Ja | Ja |
| Google TV | Ja | Ja |
| 3D | Ja | Ja |
| Soundsystem | 80 W Harman Kardon | 80 W Harman Kardon |
| Dolby Atmos | Ja | Ja |
| Projektionsverhältnis | 0,163:1 | 0,163:1 |
| Maximale Bildgröße | bis 200 Zoll | bis 200 Zoll |
| Kickstarter-Preis | 2.399 US-Dollar | 2.199 US-Dollar |
Der Abstand zwischen beiden Modellen fällt beim angekündigten Kickstarter-Preis mit 200 US-Dollar relativ klein aus. Der AURA 3 Max dürfte daher vor allem wegen seiner höheren Lichtleistung interessant sein.
4K mit 120 Hz richtet sich klar an Gamer
Einer der größten Unterschiede zu vielen bisherigen Heimkino-Projektoren ist die Unterstützung von 4K mit 120 Hz.
XGIMI bezeichnet die AURA 3-Serie als weltweit erste Ultrakurzdistanz-Projektor-Reihe mit dieser Kombination.
Für Filme sind 120 Hz weniger wichtig. Beim Gaming kann die höhere Bildrate dagegen deutlich relevanter sein.
Die Serie unterstützt zusätzlich:
- VRR
- ALLM
- 4K mit bis zu 120 Hz
VRR, also Variable Refresh Rate, synchronisiert die Bildwiederholrate des Projektors mit der Bildausgabe einer kompatiblen Konsole oder eines PCs.
ALLM kann automatisch einen Modus mit niedrigerer Eingabeverzögerung aktivieren, sobald ein Spiel gestartet wird.
Damit positioniert XGIMI die AURA-3-Modelle nicht ausschließlich als Heimkino-Projektoren, sondern auch als mögliche Großbildlösung für PlayStation, Xbox und Gaming-PC.
Eine wichtige Angabe fehlt allerdings: XGIMI nennt in der vorliegenden Ankündigung keine konkrete Eingabeverzögerung in Millisekunden. Für ambitionierte Gamer wäre genau dieser Wert wichtig.
Dolby Vision, HDR10+ und IMAX Enhanced
Auch bei den Videoformaten deckt XGIMI eine breite Palette ab.
Unterstützt werden:
- Dolby Vision
- HDR10+
- HLG
- IMAX Enhanced
- Filmmaker Mode
Gerade die Unterstützung von Dolby Vision und HDR10+ ist bei einem Projektor interessant, weil beide Formate dynamische HDR-Metadaten einsetzen können.
Trotzdem sollte man HDR bei Projektoren anders bewerten als bei OLED- oder MiniLED-Fernsehern. Ein Projektor kann keine pixelgenaue Spitzenhelligkeit wie ein selbstleuchtendes Display erzeugen.
Entscheidend ist deshalb, wie gut Tone Mapping, Kontrast und Lichtleistung zusammenspielen.
X-VISION AI soll die Bildverarbeitung übernehmen
Für die Bildverarbeitung nutzt XGIMI seinen neuen X-VISION AI-Prozessor.
Konkrete technische Details zur Architektur nennt der Hersteller bislang nicht. Der Chip soll verschiedene Bildparameter analysieren und die Darstellung entsprechend anpassen.
Interessant wird sein, wie der Prozessor mit anspruchsvollen HDR-Szenen, niedrig aufgelöstem Streaming-Material und schnellen Bewegungen umgeht.
Gerade bei einem Bild von 100 Zoll oder mehr werden Schwächen in Kompression oder Skalierung deutlich sichtbarer als auf einem normalen Fernseher.
Anti-RBE soll den Regenbogeneffekt reduzieren
Bei Projektoren kann der sogenannte Regenbogeneffekt auftreten. Manche Nutzer nehmen bei schnellen Augenbewegungen kurz rote, grüne oder blaue Farbsäume wahr.
XGIMI integriert deshalb eine Anti-RBE-Technologie, die den Effekt sowohl bei 2D- als auch bei 3D-Inhalten reduzieren soll.
Ob ein Nutzer den Regenbogeneffekt überhaupt wahrnimmt, ist individuell sehr unterschiedlich. Wer dafür empfindlich ist, sollte sich einen entsprechenden Projektor möglichst vor dem Kauf ansehen.
3D-Kino bleibt an Bord
Während 3D bei Fernsehern praktisch verschwunden ist, gibt es bei Projektoren weiterhin eine kleine Fangemeinde.
Die AURA 3-Serie unterstützt 3D-Wiedergabe und wird laut XGIMI mit zwei passenden 3D-Brillen ausgeliefert.
Gerade auf 100 oder 120 Zoll kann 3D deutlich stärker wirken als auf einem normalen Fernseher.
Für Heimkino-Enthusiasten ist es deshalb positiv, dass XGIMI die Funktion nicht gestrichen hat.
80-Watt-Soundsystem von Harman Kardon
Nicht jeder Käufer eines Laser-TVs möchte direkt eine Soundbar oder ein separates Surround-System installieren.
XGIMI integriert deshalb ein 80-Watt-Soundsystem von Harman Kardon.
Dolby Atmos wird ebenfalls unterstützt.
Für den normalen Fernsehalltag könnte das integrierte System ausreichen. Bei einem Heimkino mit 120-Zoll-Bild dürfte ein separates Audiosystem jedoch weiterhin sinnvoll sein. Ein so großes Bild erzeugt auch beim Ton eine entsprechende Erwartung.
Google TV ist direkt integriert
Als Betriebssystem kommt Google TV zum Einsatz.
Damit lassen sich Streamingdienste und Apps direkt über den Projektor nutzen, ohne dass zwangsläufig ein Apple TV, Fire TV oder anderer Streamingplayer angeschlossen werden muss.
Welche Streamingdienste zum europäischen Marktstart vollständig zertifiziert sind, geht aus der Ankündigung nicht im Detail hervor.
Das ist bei Projektoren durchaus relevant. In der Vergangenheit gab es immer wieder Modelle, bei denen einzelne Streamingdienste wegen fehlender Zertifizierungen nur eingeschränkt verfügbar waren.
XGIMI WALL macht aus der Wand digitale Kunst
Eine weitere Funktion heißt XGIMI WALL.
Wenn der Projektor nicht für Filme, Serien oder Gaming genutzt wird, kann er digitale Kunstwerke auf die Wand projizieren.
Das erinnert konzeptionell an Fernseher mit Kunst- oder Ambient-Modi. Bei einem Projektor ist der Effekt allerdings wesentlich größer.
Ob man dafür regelmäßig mehrere Tausend Stunden Laserlebensdauer einsetzen möchte, ist eine andere Frage. Als gelegentliche Ambient-Funktion kann XGIMI WALL aber interessant sein.
Kickstarter statt klassischem Verkaufsstart
Ungewöhnlich ist der Vertriebsweg.
Die AURA-3-Serie startet am 20. Oktober 2026 auf Kickstarter.
XGIMI nennt folgende Preise:
- AURA 3 Max: 2.399 US-Dollar
- AURA 3 Pro: 2.199 US-Dollar
Bereits vor dem Kampagnenstart können Interessierte 50 US-Dollar hinterlegen. Dafür verspricht XGIMI einen zusätzlichen Rabatt von 200 US-Dollar.
Für Deutschland nennt der Hersteller bislang keine finalen Europreise.
Der Kickstarter-Vertrieb sollte bei der Kaufentscheidung berücksichtigt werden. Auch bei einem etablierten Hersteller ist eine Crowdfunding-Kampagne nicht identisch mit einem klassischen Kauf im regulären Handel. Angaben zu endgültigen Lieferterminen und europäischen Verkaufspreisen fehlen derzeit noch.
PixelFlow-Einordnung
Die AURA 3-Serie gehört zu den technisch interessanteren Heimkino-Neuheiten der IFA 2026. Vor allem 4K mit 120 Hz, Dual Iris, RGB-Triple-Laser und bis zu 5.700 ISO-Lumen heben die Modelle auf dem Papier von vielen bisherigen Ultrakurzdistanz-Projektoren ab.
Besonders spannend finde ich den AURA 3 Max. Wenn XGIMI die 5.700 ISO-Lumen und den angegebenen Kontrast auch unter praxisnahen Bedingungen erreicht, könnte der Projektor eine interessante Alternative zu sehr großen Fernsehern werden.
Für Gamer ist 4K mit 120 Hz ein starkes Argument. Hier fehlt mir allerdings noch eine entscheidende Zahl: der Input Lag. Ohne diesen Wert lässt sich noch nicht beurteilen, wie gut sich der Projektor wirklich für schnelles Gaming eignet.
Auch beim Kontrast möchte ich die angegebenen 8.000:1 erst unter nachvollziehbaren Messbedingungen sehen. Dual Iris klingt technisch sinnvoll, entscheidend ist aber, ob der Schwarzwert sichtbar davon profitiert, ohne dass die Helligkeit in dunklen Szenen zu stark schwankt.
Der Preis ist ebenfalls bemerkenswert. 2.399 US-Dollar für den AURA 3 Max klingt angesichts der angekündigten Ausstattung attraktiv. Allerdings handelt es sich zunächst um einen Kickstarter-Preis. Deutsche Endpreise und der reguläre Marktstart stehen noch aus.
Sollten Bildqualität, Input Lag und Dual-Iris-System in der Praxis überzeugen, könnte die AURA 3-Serie zu einem der interessantesten UST-Starts dieses Jahres werden.