Samsung verlässt die IFA – und reißt vielleicht alle mit

Der CityCube am Berliner Messegelände ist kein gewöhnliches Gebäude. Die Messe Berlin hat über 83 Millionen Euro in seinen Bau investiert. Seit seiner Eröffnung 2014 war der Bau zur IFA vor allem mit einem Namen verbunden: Samsung. 8.700 Quadratmeter Hallenfläche, große Produktinszenierungen, riesige TV-Wände, Smart-Home-Welten und jedes Jahr dieses Gefühl: Wenn du wissen willst, wohin sich Consumer Electronics bewegt, gehst du in den CityCube.

2026 wird das anders sein.

Samsung und IFA bedeutet nicht mehr automatisch CityCube. Der Konzern wird nach aktuellem Stand nicht wie gewohnt auf dem Messegelände auftreten. Aus Branchenkreisen wird ein eigener Auftritt außerhalb der Messe gehandelt. Konkret fällt der Name Humboldt Carré. Offiziell bestätigt ist das bisher nicht. Bestätigt ist aber: Samsung fehlt 2026 im CityCube. Und das ist keine kleine Randnotiz, sondern ein Signal.

Noch spannender: Selbst die Kooperation zwischen IFA und Samsung ist Stand 7. Juli 2026 offenbar noch nicht final vertraglich abgeschlossen. Das hat die IFA-Pressestelle auf Anfrage von PixelFlow.eu schriftlich bestätigt.

Was wir wissen und was noch nicht offiziell ist

Fangen wir sauber an. Fakt ist: Samsung wird 2026 nicht wie gewohnt im CityCube stehen. Fakt ist auch: Auf der aktuellen IFA-Ausstellerliste 2026 taucht Samsung nicht als CityCube-Aussteller auf. Stattdessen sind dort andere Namen gelistet. Dazu gleich mehr.

Noch nicht offiziell bestätigt ist der externe Standort. PCtipp und Computerworld berichten, dass aus Branchenkreisen das Humboldt Carré als möglicher Samsung-Standort genannt wird, rund 40 Minuten vom Messegelände entfernt. Ebenfalls aus diesen Berichten stammt die Information, dass Samsung formal Teil der IFA bleiben soll. Der Konzern soll im Creator Hub als Hauptsponsor präsent sein, und das IFA-Ticket soll Zugang zur Samsung-Veranstaltung ermöglichen.

Aber genau hier wird es interessant.

Auf die Interviewanfrage von PixelFlow.eu antwortete die IFA-Pressestelle am 7. Juli 2026 schriftlich:

„Wir befinden uns derzeit noch in vertraulichen und partnerschaftlichen Gesprächen mit Samsung für eine Kooperation bei der IFA. “Gerne hätten wir Ihnen heute schon mehr dazu mitgeteilt, müssen jedoch die Finalisierung der vertraglichen Vereinbarung abwarten und werden dazu in Kürze kommunizieren.“

Das ist mehr als eine höfliche Standardantwort. Die IFA sagt damit: Es laufen Gespräche. Die Partnerschaft wird vertraulich behandelt. Und die vertragliche Vereinbarung ist noch nicht finalisiert.

Mit anderen Worten: Was bisher über Samsungs externen Auftritt kursiert, ist Stand jetzt nicht offiziell besiegelt. Humboldt Carré, Ticket-Zugang, Creator-Hub-Anbindung, Kooperationsrahmen. Vieles klingt konkret. Aber unterschrieben scheint noch nicht alles zu sein.

Samsung selbst hat auf PixelFlow-Anfrage nicht geantwortet. 

35 Jahre IFA: Was Samsung dort aufgebaut hat

Samsung und IFA, dass war lange mehr als ein normaler Messeauftritt. Samsung stellte erstmals 1991 auf der IFA aus, damals noch auf einem 43 Quadratmeter kleinen Stand mit Monitoren und PCs. 2003 folgte der Sprung in Halle 20 mit 3.600 Quadratmetern. 2014 zog Samsung in den frisch gebauten CityCube ein. Die eigene IFA-Geschichte hat Samsung im Global Newsroom selbst nachgezeichnet: von 43 Quadratmetern bis zum CityCube.

Der CityCube war nicht irgendeine Halle, die man halt gebucht hat. Samsung nutzte ihn exklusiv zur IFA. Die Messe Berlin hatte über 83 Millionen Euro in den Bau gesteckt, Samsung bekam damit eine eigene Welt auf dem Gelände. Produktshows, Pressekonferenz, Händler Termine, Smart-Home-Szenarien, Displays, Mobile, Haushaltsgeräte. Laut Samsung Newsroom war Samsung mit 8.700 Quadratmetern Hallenfläche der größte Aussteller der IFA.

Noch 2025 zeigte Samsung dort unter dem Motto „Future Living, Now“ das AI-Home-Konzept und den Micro RGB-TV MR95F mit 115 Zoll. AREA DVD beschrieb den Auftritt als große Präsenz im CityCube mit AI Home, Displayideen und neuen Sound-Towers. Im Rückblick wirkt dieser Auftritt nun wie das Ende einer Ära. Die Details zum letzten großen CityCube-Auftritt findet ihr bei AREA DVD zum Samsung-Auftritt auf der IFA 2025.

Wer jetzt im CityCube steht

Der stärkste Beleg für die Tragweite dieser Entscheidung steht nicht in einer Pressemitteilung. Er steht in der Ausstellerliste der IFA.

CityCube Hall A ist aktuell mit Acer gelistet. Acer ist ein bekannter Name, keine Frage. Computing, Gaming, Taiwan, Stand A5. Das passt zur IFA. Aber es ist eben ein einzelner großer Name auf einer Fläche, die jahrelang praktisch mit Samsung gleichgesetzt wurde.

CityCube Hall B sieht noch interessanter aus. Panasonic Marketing Europe ist dort als Home-&-Entertainment-Aussteller gelistet, mit mehreren Standflächen. Daneben finden sich viele Mobility-Anbieter. XPENG, Urban Glide, YOUIN, Coolfly, Esportlet, Mankeel und weitere Anbieter stehen laut IFA-Ausstellerliste in CityCube Hall B oder im direkten CityCube-Umfeld.

Das ist kein Werturteil über diese Unternehmen. Viele davon können spannende Produkte zeigen. Aber für Besucherinnen und Besucher, die den CityCube über Jahre mit Samsung verbunden haben, wird das Bild ein anderes sein. Wo früher einer der größten Elektronikkonzerne der Welt eine eigene Markenwelt gebaut hat, steht 2026 eine Mischung aus Acer, Panasonic und mehreren Mobility-Anbietern.

Genau hier wird Samsungs Weggang sichtbar. Nicht abstrakt. Nicht als PR-Formulierung. Sondern auf dem Hallenplan.

Der Strategie-Hintergrund: Samsung baut um

Man kann Samsungs Entscheidung als reine Messefrage lesen. Dann wäre die Erklärung einfach: Kosten, Reichweite, Format, Zielgruppe. Aber das greift zu kurz.

Samsung ist gerade auf mehreren Ebenen im Umbau. Jong-Hee Han, langjähriger Co-CEO von Samsung Electronics und Kopf des Consumer-Geschäfts, starb im März 2025 an einem Herzstillstand. Danach übernahm TM Roh zunächst kommissarisch die DX Division, also den Bereich für Mobile, TV und Haushaltsgeräte. Reuters hat den Wechsel damals in der Samsung-Führung eingeordnet: TM Roh übernimmt nach dem Tod von Jong-Hee Han mehr Verantwortung.

Auch in Deutschland hat sich die Führung verändert. Seit Januar 2026 leitet Han Suk, genannt Kevin Seo, Samsung Electronics Deutschland als Präsident und Geschäftsführer. Yeonho Choi wurde CFO, Hoon Seol Executive Vice President. Samsung selbst spricht von einer neuen Geschäftsleitung für Samsung Deutschland, die den deutschen Markt weiter ausbauen soll. Konkrete öffentliche Aussagen zur IFA-Entscheidung gibt es von diesem Führungsteam bisher nicht.

Parallel dazu hat Samsung seit Jahren eigene Event-Infrastruktur aufgebaut. Galaxy Unpacked ist längst ein globales Medienformat. Das Event im Februar 2026 fand in San Francisco statt und wurde weltweit über samsung.com, Samsung Newsroom und YouTube gestreamt. Samsung hat damit eigene Kanäle aufgebaut, über die neue Produkte ohne klassische Messebühne weltweit Aufmerksamkeit bekommen. Einen Eindruck davon liefert der Samsung Newsroom mit den Highlights vom Galaxy Unpacked 2026.

Das ist der größere Kontext: Samsung braucht die IFA als Bühne offenbar weniger als früher. Zumindest glaubt der Konzern, die eigene Geschichte besser in eigenen Formaten erzählen zu können.

Die Reaktion des Handels: klare Worte

Für die IFA ist diese Entscheidung besonders heikel, weil der Handel 2026 wieder stärker ins Zentrum rückt. Euronics, Electronic Partner und Expert treten erstmals gemeinsam in einer eigenen Handelszone auf. Der IFA Retail Leaders Summit findet am 3. September statt, also direkt vor Messestart. Im vergangenen Jahr kamen dort 150 internationale Top-Retailer mit einer kumulierten Kaufkraft von 44,8 Milliarden Euro zusammen.

Genau dieser Handel reagiert auf Samsungs Schritt nicht begeistert.

Euronics-Vorstandssprecher Benedict Kober sagte auf der Summer Convention in Mallorca: „Kein Händler wird aus meiner Sicht das Messegelände verlassen, um zu Samsung und wieder zurück aufs Messegelände zu fahren.“ Das Zitat stammt aus dem PCtipp-Bericht zur IFA 2026 im Wandel.

Das ist keine diplomatische Messe Floskel. Das ist eine Warnung.

Denn Händler fahren zur IFA, um Termine zu bündeln. Ein Standort außerhalb des Geländes klingt für eine Marke vielleicht kontrollierter, exklusiver und hochwertiger. Für Händler kann er schlicht unpraktisch sein. Wer von Halle zu Halle muss, Gespräche führt, Termine taktet und vielleicht nur einen oder zwei Tage in Berlin ist, fährt nicht mal eben 40 Minuten raus und wieder zurück.

Hier liegt Samsungs Risiko. Der eigene Auftritt kann stärker wirken. Oder er kann am Messetag schlicht aus dem Ablauf fallen.

Das Muster: Samsung ist nicht allein

Samsung ist nicht der erste Hersteller, der die IFA anders denkt. Auf der IFA 2025 waren Smartphone Hersteller ohnehin deutlich schwächer vertreten. Handyhase schrieb damals, dass Nothing, Honor, HMD und Google im Vorjahr noch vertreten waren, 2025 aber wieder ein anderes Bild entstand und gerade Smartphone Hersteller wenig präsent waren. Den Überblick findet ihr bei Handyhase zur IFA 2025.

Apple war nie Teil der IFA. Google kommt und geht. Viele Marken nutzen Berlin zwar als Medien Moment, aber nicht zwingend als klassischen Messestandort. Das ist kein neues Phänomen.

Der Unterschied ist Samsung.

Samsung war kein gelegentlicher Gast. Samsung war über Jahrzehnte eines der Gesichter der IFA. Wer über große TV-Neuheiten, SmartThings, AI Home oder Haushaltsgeräte auf der Messe sprach, kam an Samsung kaum vorbei. Der CityCube war dafür das Symbol. Genau deshalb ist dieser Schritt größer als der Verzicht irgendeines Herstellers auf eine Standfläche.

Wenn Samsung zeigt, dass man die IFA-Medienwoche nutzen kann, ohne wirklich auf dem Gelände zu sein, schauen andere sehr genau hin.

Was die IFA sagt und was noch offen ist

Die IFA selbst steht nach außen stark da. Laut PCtipp sind 102 Prozent der verfügbaren Fläche vergeben. Die Messe öffnet vom 4. bis 8. September 2026. Für 2025 meldete die IFA über 1.900 Aussteller, 220.000 Besucherinnen und Besucher sowie mehr als 190.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Die IFA spricht also nicht aus einer Position der Leere.

Und trotzdem bleibt die Samsung-Frage hängen.

IFA-CEO Leif Lindner soll die Lösung laut PCtipp als „Kompromiss“ bezeichnet haben. Das ist eine bemerkenswert nüchterne Formulierung. Kein Triumph, kein großer Schulterschluss, keine starke gemeinsame Zukunftserzählung. Ein Kompromiss klingt nach: nicht gewünscht, aber akzeptiert.

Jetzt kommt das schriftliche Statement der IFA gegenüber PixelFlow.eu dazu. Die Pressestelle bestätigt, dass man sich „noch in vertraulichen und partnerschaftlichen Gesprächen mit Samsung“ befinde und die „Finalisierung der vertraglichen Vereinbarung“ abwarten müsse.

Zwischen einem fertigen Kompromiss und laufenden Vertragsgesprächen liegt ein Unterschied.

Das macht den Fall für die IFA unangenehm. Denn öffentlich entsteht längst der Eindruck: Samsung geht raus aus dem CityCube, bleibt aber irgendwie über ein Sonderformat angebunden. Intern scheint die Sache noch nicht fertig zu sein. Die IFA kündigt zwar an, „in Kürze“ zu kommunizieren. Bis dahin bleibt offen, wie die Kooperation konkret aussieht.

Samsung schweigt inhaltlich. Die IFA verweist auf laufende Gespräche. Der CityCube ist bereits anders belegt.

Mehr Spannung kurz vor einer Messe geht kaum.

Unser Fazit: ein Signal, keine Randnotiz

Samsung verlässt die IFA nicht komplett. Formal kann der Konzern am Ende weiter angebunden bleiben. Creator Hub, Sponsoring, möglicher Ticket Zugang, externe Veranstaltung. Alles möglich. Aber das ändert nichts am Kern: Samsung steht 2026 nicht mehr dort, wo Samsung über Jahre stand.

Der CityCube war Samsungs Bühne. Jetzt ist es eine andere Fläche mit anderen Namen.

Das macht den Schritt so relevant. Nicht, weil Acer, Panasonic oder Mobility-Aussteller dort fehl am Platz wären. Sondern weil der Kontrast so klar ist. Ein Gebäude, das jahrelang für Samsungs IFA-Macht stand, zeigt 2026, wie schnell sich die Kräfte verschieben können.

Für Samsung kann der eigene Weg logisch sein. Der Konzern hat globale Livestreams, eigene Experience-Flächen und eine Markenstärke, die keine Messehalle braucht. Für die IFA ist der Fall schwieriger. Sie muss beweisen, dass ihre Relevanz nicht an einzelnen Ankern hängt. Für den Handel stellt sich die praktische Frage, ob ein externer Samsung-Termin wirklich in den Messe Alltag passt.

Der neue Punkt ist: Selbst die genaue Kooperation scheint Stand 7. Juli 2026 noch nicht final vertraglich geregelt zu sein.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht nur, ob Samsung fehlt. Das tut Samsung sichtbar.

Die Frage ist: Was wird aus diesem Kompromiss, wenn er noch gar nicht fertig ist?

PixelFlow.eu wird im September vor Ort sein. Wir schauen uns an, was im CityCube passiert, wie stark der externe Samsung-Auftritt wirklich ist und ob Besucherinnen, Besucher und Händler den Weg raus aus dem Messegelände überhaupt gehen..

*Das Beitragsbild ist KI-Generiert

LarsStephan
LarsStephan
Ich bin Technik-Enthusiast, Digital-Nerd und kreativer Kopf hinter PixelFlow.eu – einem Online-Magazin, das Technik nicht nur erklärt, sondern erlebbar macht. Mit einem Gespür für Trends, einem Faible für smarte Lösungen wie Balkonkraftwerke und einem offenen Blick für alles, was sich durch Strom, Daten und Innovation antreiben lässt, schreibe ich unterhaltsam und journalistisch über das, was die Tech-Welt bewegt. Ob Produkttest, Event oder Branchen-Insight – mein Ziel ist es, Technik verständlich, relevant und mit einem Augenzwinkern rüberzubringen. Für Early Adopters genauso wie für Alltagsnutzer.

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