Photovoltaik wird häufig mit Dachflächen oder Freiflächenanlagen verbunden. Zäune hingegen galten lange als statisches Bauelement – funktional, aber energetisch ungenutzt. Das österreichische Unternehmen SUNBOOSTER stellt dieses Bild infrage. Mit dem System Sunbooster VERTICAL+ wird aus einem klassischen Doppelstabmattenzaun eine modulare, 3-phasig einspeisende Photovoltaikanlage.
Damit erweitert sich das Flächenpotenzial für Solarstrom erheblich – insbesondere für landwirtschaftliche Betriebe, Gewerbeflächen oder große Grundstücke mit langen Einfriedungen.
Inhaltsverzeichnis
Von der steckerfertigen Lösung zur vollwertigen PV-Anlage
Das 2025 eingeführte System Sunbooster VERTICAL war ursprünglich als steckerfertige Lösung konzipiert. Die Module werden vertikal in bestehende Doppelstabmattenzäune eingefädelt und konnten bislang wie ein Balkonkraftwerk über Schukostecker betrieben werden. Damit war die Leistung auf 800 Watt begrenzt – rechtlich im Bereich der klassischen Mini-PV.
Mit Sunbooster VERTICAL+ geht das Konzept einen Schritt weiter. Zwei Zaunfelder lassen sich nun in Serie verschalten. Über ein Dual-Field-MPPT-System wird die Effizienz je Zaunfeldpaar optimiert. Der erzeugte Strom kann 3-phasig in das Netz eingespeist werden – vergleichbar mit klassischen Dachanlagen.
Das bedeutet: Die Lösung verlässt den Bereich der steckerfertigen Kleinanlage und bewegt sich in Richtung vollwertiger PV-Systeme mit höherer Leistungsklasse.
Bifaziale Module und vertikale Ausrichtung
Ein zentraler Unterschied zu klassischen Dachmodulen liegt in der vertikalen Montage. Die verwendeten bifazialen Solarzellen können Licht von beiden Seiten aufnehmen. Gerade bei tiefstehender Sonne – also morgens, abends sowie im Herbst und Winter – kann diese Bauweise Vorteile bieten.
Insbesondere bei Schnee profitieren vertikale Module von zusätzlicher Reflexion. Während geneigte Dachanlagen bei Schneefall häufig vollständig bedeckt sind, bleiben vertikale Systeme oft frei und können weiter produzieren.
Die Ertragscharakteristik unterscheidet sich damit deutlich von klassischen Süddachanlagen: Die Spitzenleistung zur Mittagszeit ist geringer, dafür werden die Randstunden stärker genutzt. In Kombination mit bestehenden Dachanlagen kann das eine sinnvolle Ergänzung darstellen.
Skalierbarkeit bis in den gewerblichen Bereich
Während die ursprüngliche Version auf kurze Zaunabschnitte begrenzt war, erlaubt VERTICAL+ deutlich größere Dimensionen. Laut Hersteller können bis zu 100 Meter Zaunlänge kombiniert werden. In Summe sind Leistungen bis zu 18,8 kWp möglich.
Damit bewegt sich das System im Bereich typischer Dachanlagen von Einfamilienhäusern oder kleineren Gewerbebetrieben.
Gerade für landwirtschaftliche Betriebe, Logistikflächen oder Industriegelände mit langen Einzäunungen entsteht dadurch ein bislang kaum genutztes Potenzial. Zäune sind oft ohnehin vorhanden. Die energetische Nutzung dieser Fläche kann zusätzliche Erträge generieren, ohne weitere Dach- oder Freiflächen zu beanspruchen.
Technische Einbindung und Speicheroptionen
Der erzeugte Strom lässt sich entweder direkt 3-phasig einspeisen oder über Optimierer an einen klassischen String-Wechselrichter anbinden. Auch die Integration in bestehende Speichersysteme ist möglich.
Damit positioniert sich VERTICAL+ nicht als isolierte Sonderlösung, sondern als Baustein innerhalb eines größeren PV-Systems. Besonders interessant ist das für Betriebe, die bereits Dachanlagen betreiben und ihre Erzeugungskurve verbreitern möchten.
Wirtschaftlichkeit und Positionierung
SUNBOOSTER spricht von einer Amortisationszeit von drei bis vier Jahren, abhängig von Förderungen und Standortbedingungen. Diese Angabe ist – wie bei allen PV-Systemen – stark von individuellen Rahmenbedingungen abhängig: Investitionskosten, Eigenverbrauchsquote, Strompreis und Förderlandschaft spielen eine zentrale Rolle.
Im Vergleich zu klassischen Dachanlagen dürfte die vertikale Lösung vor allem dort wirtschaftlich sein, wo zusätzliche Flächen ansonsten ungenutzt bleiben würden.
Strategische Einordnung
Zaunintegrierte Photovoltaik ist kein Ersatz für Dach- oder Freiflächenanlagen. Sie ist eine Ergänzung. Der Ansatz adressiert eine bislang wenig beachtete Fläche und nutzt infrastrukturell vorhandene Elemente.
Gerade im gewerblichen Bereich kann das interessant sein. Privatnutzer mit kurzen Garten- oder Grundstückszäunen werden hingegen meist nicht in den Leistungsbereich vordringen, der wirtschaftlich relevant wird.
Die Entwicklung zeigt jedoch einen klaren Trend: Photovoltaik wird zunehmend integrativ gedacht. Nicht nur Dächer, sondern Fassaden, Carports, Balkone und nun auch Zäune werden zu Energieflächen.
Präsentation auf der Intersolar Europe 2026
SUNBOOSTER präsentiert Sunbooster VERTICAL+ vom 23. bis 25. Juni 2026 auf der Intersolar Europe in München (Halle C4, Stand 650A). Dort dürfte sich zeigen, wie stark das Interesse aus Handel und Projektentwicklung ist.